Bugonia
Filmkritik von Walter Gasperi
Ein Anhänger von Verschwörungstheorien entführt mit seinem Cousin die Chefin eines Chemiekonzerns, die er für eine Außerirdische hält, die die Erde zerstören will: Yorgos Lanthimos rechnet in seiner pechschwarzen und zunehmend blutigen Gesellschaftssatire ebenso trocken wie bissig mit menschlicher Dummheit, Ignoranz und Gewaltbereitschaft ab.
Der Held Vom Bahnhof Friedrichstrasse
Filmkritik von Walter Gasperi
"Good Bye, Lenin!"-Regisseur Wolfgang Becker erzählt in seinem letzten Spielfilm leichthändig von einem vermeintlichen Helden der ehemaligen DDR, von Wahrheit und Lüge, falschen Geschichtsbildern und Erinnerungskultur – und vom Aufblühen einer Liebe: Eine vor Witz sprühende, wunderbar ironische und von einem herausragenden Ensemble getragene, schwungvolle Komödie.
Der Mann Auf Dem Kirchturm
Filmkritik von Walter Gasperi
Edwin Beeler spürt nicht nur dem Leben seines Großvaters nach, sondern zeichnet beiläufig auch das Bild eines verschwundenen Schweizer Dorflebens, patriarchaler Strukturen und eines familiären Traumas: Ein sehr behutsamer und berührender Dokumentarfilm, der gerade in der Fokussierung auf einer privaten Geschichte Universalität gewinnt.
I Love You, I Leave You
Für ein Konzert reist der Schweizer Musiker Dino Brandão nach über zwanzig Jahren nach Angola, das Heimatland seines Vaters. Konfrontiert mit dessen Vergangenheit und Fragen zur eigenen Identität, wird bei Dino eine manische Episode ausgelöst.
Jeunes Mères
Filmkritik von Walter Gasperi
Jean-Pierre und Luc Dardenne folgen fünf Teenagern, die mit ihren Babys in einem Heim für minderjährige Mütter leben, durch ihren Alltag: Quasidokumentarisches, schnörkelloses sozialrealistisches Kino, das ungeschönt und nüchtern, aber empathisch Einblick in schwierige Lebensverhältnisse bietet.
Kokuho - The Master Of Kabuki
Filmkritik von Walter Gasperi
Sang-il Lee entführt in die faszinierende Welt des Kabuki-Theaters und erzählt von Freundschaft und Karriere, japanischen Traditionen und dem Preis des Ruhms: Ein bildmächtiges, mitreißendes Epos, das den Bogen über 50 Jahre spannt und mühelos fast drei Stunden fesselt.
La Petite Dernière
Filmkritik von Walter Gasperi
Die 17-jährige Fatima ist gläubige Muslima, wird sich aber auch zunehmend ihrer Homosexualität bewusst: Getragen von der in Cannes als beste Schauspielerin ausgezeichneten Nadia Melliti zeichnet Hafsia Herzi in ihrer Verfilmung von Fatima Daas autobiographischem Debütroman ein feinfühliges und differenziertes Porträt der Belastung und der Zerrissenheit des Teeangers zwischen queeren Sehnsüchten und muslimischen sowie familiären Traditionen.
Lesbian Space Princess
Die introvertierte Prinzessin Saira, Tochter der lesbischen Königinnen des Planeten Clitopolis, ist am Boden zerstört: Ihre Freundin, die Kopfgeldjägerin Kiki, hat mit ihr Schluss gemacht! Saira sei einfach zu langweilig, sagt sie. Dabei hat sie ihr ein so schönes Beziehungsalbum gebastelt!
Mit Einem Tiger Schlafen
Filmkritik von Walter Gasperi
Anja Salomonowitz zeichnet in einer Collage aus fragmentarischen Szenen ein Bild von Leben und Schaffen der österreichischen Künstlerin Maria Lassnig (1919 – 2014). – Ein vielschichtiger Hybrid aus Spielfilm und Dokumentarfilm, in dem Lassnig in den unterschiedlichsten Lebensaltern von Birgit Minichmayr verkörpert wird.
Nacktgeld
Lilis Sommerferien nehmen eine unerwartete Wendung, als ihre Mutter sie drängt, Dorsday, einen Freund der Familie um Geld zu bitten, damit ihr Vater nicht ins Gefängnis muss. In dieser Nacht verliert sie nicht nur ihre Würde, sondern auch alle bisherigen Gewissheiten.
Rebuilding
Nachdem seine Ranch durch einen Waldbrand vollständig zerstört wurde, muss der zurückhaltende Dusty in einen provisorischen Wohnwagenpark ziehen.
The Last Viking
Filmkritik von Walter Gasperi
Anders Thomas Jensen feiert in seinem heftigen Mix aus schwarzem Humor und brutaler Gewalt Außenseitertum und Individualität und erzählt auch berührend von familiärem Trauma: Skurrile Figuren, Einfallsreichtum und die abrupten Wechsel der Tonlage sorgen für eine Achterbahnfahrt zwischen Lachen und Entsetzen.
The Voice Of Hind Rajab
Filmkritik von Walter Gasperi
Im Januar 2024 versuchten Mitarbeiter:innen des Roten Halbmonds verzweifelt, die Rettung eines fünfjährigen Mädchens zu organisieren, das im Gazastreifen in einem zerschossenen Autowrack auf Hilfe wartete: Ein erschütternder, aber in der Vermischung von dokumentarischen Elementen und thrillerhafter Inszenierung auch zwiespältiger Film.