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Tuesday, After Christmas

RO 2010, 99 Min., OV/df, Regie: Radu Muntean, mit Mimi Branescu, Mirela Oprisor, Maria Popistasu, Dragos Bucur

Tuesday, After Christmas

Rezension von Doris Senn

Ein kleines Chef-d’Oeuvre des neuen rumänischen Films: „Tuesday, After Christmas“ ist ein unaufgeregtes Poem über die Liebe, das Leben, den Alltag.

Mit Bedächtigkeit und atmosphärischer Intensität erzählt Radu Muntean aus dem Rumänien der Gegenwart: Paul, ein Mann mittleren Alters, ist mit Adriana verheiratet, mit der er auch eine kleine Tochter hat. Gleichzeitig lebt er eine Affäre mit seiner jungen Geliebten Raluca. Aus diesen wenigen Figuren spinnt der rumänische Regisseur Radu Muntean eine unspektakuläre Geschichte über zwei Arten von Liebe: einerseits diejenige zu Raluca, die noch jung, ebenso spannend wie aufregend und zärtlich ist – andererseits die eheliche Routine, in der die Zuneigung unscheinbar geworden ist, begraben unter den Pflichten des Alltags.

Muntean lässt uns als BetrachterInnen an den fast schon banalen Geschehnissen rund um die Protagonisten teilhaben und arbeitet dabei mit langen Einstellungen. Bis zum ersten Schnitt des Films – nach einem wenig tiefgehenden Dialog zwischen den Verliebten Raluca und Paul – dauert es nicht weniger als neun Minuten! Ebenso ungeschönt und undramatisch erleben wir die Einblicke ins familiäre Einerlei: Weihnachten steht vor der Tür. Paul vertröstet Raluca auf „Dienstag nach Weihnachten“, während er mit Adriana Geschenke besorgt, die Skiferien in Österreich organisiert und Abklärungen für eine Zahnspange für Tochter Mara macht…

Drama im Kleinen

Radu Muntean bewies schon mit seinem preisgekrönten „The Paper Will Be Blue“ (2006), in dem er von den Tagen der Revolution gegen den rumänischen Diktator Ceausescu erzählte, sein Flair für die kleinen Dinge und authentischen Geschehnisse – und seien die Umwälzungen drum herum noch so gross! Auch in „Tuesday, After Christmas“ erzählt er ein nicht ungewöhnliches, für die Beteiligten nichtsdestotrotz grosses Drama im Kleinen: Ein Mann hat eine Affäre, aber auch eine Familie, die er liebt. Bis irgendwann für ihn der Moment der Entscheidung kommt…

Der 40-jährige Regisseur schafft aus dem unscheinbaren Plot einen ebenso erfrischenden wie einnehmenden Film. Mit seinem ruhigen Fluss und unaufgeregten Gestus bietet „Tuesday, After Christmas“ nicht nur viel Echoraum für die Gefühle seiner Figuren und diejenigen seines Publikums – er setzt auch ein dezentes Schlaglicht auf ein Rumänien im Umbruch: Konsumprodukte (das Snowboard und der Barbie-Party-Cruiser für Tochter Mara!) und ein Mittelstands-Wohlstand bahnen sich langsam ihren Weg durch die rumänische Gesellschaft. Muntean gelingt ein zurückhaltendes, aber sehr einnehmendes Oeuvre, wobei die Darsteller – insbesondere Mimi Branescu (Paul) und Maria Popistasu (Raluca) – den unspektakulären Geschehnissen viel Authentizität einzuhauchen vermögen.

Kritiken

National International
- Christian Jungen für nzz.ch - David Ciprian für negativ-film.de
  - Jay Weissberg für variety.com
  - Nick Schager für hollywoodreporter.com
   
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