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Man On Wire

GB 2008, 94 Min., OV/df, Dokumentarfilm, Regie: James Marsh, mit Philippe Petit, Jim Moore, Annie Allix, Jean-Louis Blondeau

Man On Wire

Rezension von Walter Gasperi

Auf einem Drahtseil in 417 Meter Höhe zwischen den beiden Türmen des World Trade Centers zu balancieren, wurde für den Franzosen Philippe Petit in dem Moment zum Lebenstraum, in dem er 1968 im Wartezimmer seines Zahnarzts in einer Zeitschrift ein Foto von den in der Planungsphase befindlichen Zwillingstürmen sah.

Sechs Jahre später, am Morgen des 7. August 1974, setzte Petit das kühne Unterfangen in die Tat um, balancierte 45 Minuten lang, gespannt verfolgt von den Blicken der sich weit unten auf den Strassen tummelnden New Yorkern, in luftiger Höhe und schuf damit für Paul Auster das „künstlerische Verbrechen des Jahrhunderts“.

Wie einen Film über einen perfekten Bankraub hat der Brite James Marsch seinen mit dem Oscar ausgezeichneten Dokumentarfilm aufgebaut. Mit Interviews mit Petit und seinen Helfern, Archivmaterial und nachinszenierten Szenen, die die Kategorisierung als Dokumentarfilm freilich problematisch erscheinen lassen, zeichnet Marsh ineinander geschnitten die akribische Vorbereitung und minutiöse Umsetzung des Plans sowie die Vorgeschichte mit – selbstverständlich illegalen - Testläufen auf der Pariser Kathedrale Notre Dame und der Harbour Bridge von Sidney nach. Mitreißend wird das durch den schnellen Schnitt, den raschen Szenenwechsel, die Erzählungen der Beteiligten, die emotional immer noch ganz bei der Sache zu sein scheinen, die aufputschende Musik von Michael Nyman und die Konzentration auf Petit und die WTC-Überquerung als zentrales Thema.

In der verspielten Nachinszenierung mit Schwarzweißfilm und Kreisblenden im Stummfilmstil entwickelt „Man on Wire“ dabei auch eine Leichtigkeit und Poesie, die mit der des Seiltanzes korrespondiert und gleichzeitig wird mit dem Coup Petits dem terroristischen Anschlag vom 11.9.2001, der mit keinem Wort erwähnt wird, aber im Kopf des Zuschauers beim Blick auf die Doppeltürme doch immer mitschwingt, eine zwar lebensgefährliche aber ebenso poetische wie friedliche Aktion entgegen gesetzt.
(Walter Gasperi)

 

Kritiken

National International
- Philippe Zweifel in tagesanzeiger.ch - Peter Bradshaw in guardian.co.uk
- Martin Walder in nzz.ch - A.O. Scott in movies.nytimes.com
- Cyril Schicker in art-tv.ch - Martina Knoben in sueddeutsche.de
  - Magali-Ann Thomas in br-online.de
  - Klaus Brinkbäumer in spiegel.de
  - Isabella Reicher in derstandard.at
Offizielle Website Verleiher
www.manonwire.com Rialto

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