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Lola

FR 2009, 110 Min., OV/df, Regie: Brillante Mendoza, mit Anita Linda, Rustica Carpio, Tanya Gomez, Jhong Hilario

Lola

Rezension von Walter Gasperi

Anhand zweier alter Frauen schildert Brillante Mendoza in den Slums von Manila unsentimental und schonungslos menschliche Not, Schmerz und Trauer, aber auch die Gleichgültigkeit und Emotionslosigkeit der Behörden.

Der philippinische Regisseur Brillante Mendoza folgt zunächst lange mit dokumentarischem Gestus wortlos einer alten Frau und ihrem Enkel durch Manila. Sintflutartig prasselt der Regen nieder, der Wind pfeift und im Bus wird die Frau und mit ihr der Zuschauer Zeuge, wie einer Mitfahrerin die Handtasche geraubt wird. Auf der Polizeistation will die alte Frau den Mord an ihrem Enkel melden, erfährt, dass dieser Fall aber schon aufgenommen und ein Verdächtiger schon verhaftet wurde.

Mendoza macht nichts weiter als den verzweifelten Versuch der Oma, Geld zur Finanzierung der Bestattung aufzutreiben und ihr Streben Gerechtigkeit zu bekommen, zu dokumentieren. Parallel dazu schildert er die Bemühungen der nicht minder mittellosen Grossmutter des Täters, die sich rührend um ihren inhaftierten Enkel kümmert und versucht einen Pflichtanwalt zu finden. Von diesem wird ihr aber empfohlen, um Geld zu sparen, einen – in den Philippinen ist das bei einem Mord möglich - aussergerichtlichen Vergleich mit der anderen Partei anzustreben. Auch dafür muss freilich Geld aufgetrieben werden.

Keine Schnörkel, keine Beschönigungen kennt dieser Film, entwickelt in seinem unverfälschten Blick auf die großartig besetzten Protagonisten eine Wahrhaftigkeit, die ihn in eine Reihe mit den Meisterwerken des italienischen Neorealismus stellt. Ohne je penetrant zu werden und in Sozialkitsch oder Sentimentalität abzugleiten, werden überall bitterste Not, tiefer Schmerz und Trauer auf der einen Seite und die Emotionslosigkeit der Behörden mit der kalten Bürokratisierung des individuellen Schicksals, aber auch Geschäftemacherei und Geldgier auf der anderen Seite sichtbar. Unmissverständlich zeigt Mendoza auch, dass Geld zwar materielle Not lindern kann, aber nicht den Schmerz und die Trauer über den Verlust.
(Walter Gasperi)

 

Kritiken

National International
- Martina Felber in art-tv.ch - Sheri Jennings in screendaily.com
- Anja Schulthess in filmstelle.ch - Andrew Schenker in slantmagazine.com
- Christine Stark in medientipp.ch - Rene Rodriguez in miamiherald.com
   
Verleiher
www.trigon-film.org

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