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Ennio Morricone - Il Maestro

IT/BE/NL 2021, 157', OV/df, Regie: Giuseppe Tornatore, mit Ennio Morricone, Bernardo Bertolucci, Dario Argento

Ennio Morricone - Il Maestro

Filmkritik von Walter Gasperi

Giuseppe Tornatore zeichnet mit einem Interview mit dem legendären Filmmusikkomponisten, zahlreichen Filmausschnitten und Statements von Wegbegleitern und Bewundern das Leben und Schaffen des am 6. Juli 2020 verstorbenen Italieners nach: Ein ebenso mitreißender wie informativer Dokumentarfilm.

Unvergessen sind zahlreiche Soundtracks von Ennio Morricone: Hat man das von Kojoten inspirierte Geheul in "Zwei glorreiche Halunken", das Mundharmonika-Spiel in "Spiel mir das Lied vom Tod", die Panflöten-Melodie in "Es war einmal in Amerika" oder das Stück "Gabriel´s Oboe" in "The Mission" einmal gehört, bleiben diese Klänge haften. Doch diese klassischen Filmmusiken sind nur die Spitze eines Eisbergs von über 500 Soundtracks.

Umfassend zeichnet Giuseppe Tornatores, der selbst mit Ennio Morricone bei allen seinen Filmen von seinem Meisterwerk "Cinema Paradiso" (1989) bis zu "La correspondenza" (2016) zusammenarbeitete, Leben und filmmusikalisches Schaffen des am 10. November 1928 in Rom geborenen Italieners nach. Von seinen über 100 klassischen Werken wird aber nur die Kantate, die er zum Gedenken an die Terroranschläge vom 11. September 2001 schrieb, näher behandelt.

Rückgrat des Films sind lange Interviews Tornatores mit dem großen Komponisten. Nach Morgengymnastik sieht man Morricone in seinem mit Büchern und Schallplatten überfüllten Arbeitszimmer sitzen. Großaufnahmen dominieren. Mitreißend und hellwach erzählt der schon fast 90-Jährige von seiner Kindheit und seinem Wunsch Arzt zu werden, den er aufgeben musste, da sein Vater ihn zwang wie er selbst Trompete zu studieren. Von den Erfahrungen am Konservatorium, an dem er auch Komposition studierte, über die Arbeit als Trompeter bei Abendveranstaltungen bis zu den Arrangements von Popsongs in den 1950er Jahren spannt sich der Bogen, ehe ab 1961 die Filmmusik ins Zentrum rückt.

Schon in diesen Anfängen wird die lebhafte Schilderung des Maestros immer wieder von schwarzweißen Archivaufnahmen ebenso wie von kurzen Statements von Bewunderern unterbrochen. Abwechslungs- und temporeich wird "Ennio Morricone – Il Maestro" dadurch. Keinen Leerlauf gibt es hier, atemlos ist die Erzählweise, überfordert die Zuschauer:innen aber nie.

Dass die Bewunderer in Bezug auf Kindheit und Jugend von Morricone gewiss nicht aus eigenen Erfahrungen schöpfen, sondern wohl aufgrund von Erzählungen oder Literatur berichten, steht freilich auf einem anderen Blatt. Nicht ganz klar ist auch, ob die Archivaufnahmen vom Konservatorium und der Jugendzeit wirklich immer direkt mit Morricone zusammenhängen. Vielmehr scheinen sie ebenso wie die Statements der Bewunderer vor allem der Abwechslung und der Belebung der Erzählweise zu dienen. Gering wiegen aber diese Einwände gegen eine vielleicht nicht ganz saubere dokumentarische Arbeitsweise, denn mitreißenden Schwung entwickelt der Film durch dieses Pendeln zwischen Morricones eigener Erzählung, Statements und Bildmaterial.

Spürbar wird auch, wie sehr Morricone darunter litt, dass er als Arrangeur von Popsongs und Komponist von Filmmusik lange in der Musikwelt nicht wirklich ernst genommen wurde. Eindrücklich vermittelt wird aber, wenn er selbst oder auch Wegbegleiter Melodien vorsummen und Filmausschnitte diese unterstreichen, wie überlegt, vielfältig und innovativ seine Kompositionen sind.
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- Damien Brodard für cineman.ch - Gerhard Midding für epd-film.de
  - Björn Becher für filmstarts.de
  - Jörg Gerle für filmdienst.de
  - Wendy Ide für theguardian.com
   
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