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Vorschau auf die 69. Berlinale. Von Walter Gasperi

Vorschau auf die 69. Berlinale. Von Walter Gasperi

Auch bei der letzten Berlinale unter der Leitung von Dieter Kosslick (7. – 17.2. 2019) sind die grossen Namen eher dünn gesät, sodass man auf Entdeckungen hoffen muss. Ein vielfältiges und reichhaltiges Programm bietet das grösste deutsche Filmfestival aber dank der zahlreichen Sektionen sicher auch heuer wieder.

Nach dem starken letzten Jahrgang von Cannes, dem als sensationell eingestuften Venedig-Programm präsentiert Berlin nun wieder – zumindest im Wettbewerb – den gewohnten Kosslick-Mix. Gespannt sein darf man da schon jetzt, was der künftige künstlerische Leiter Carlo Chatrian, der im Wettbewerb von Locarno das ästhetisch avancierte Kino forciert hat, nächstes Jahr bieten wird.

Kosslick-Mix

Der Kosslick-Mix ist immer gekennzeichnet durch einige bekannte, aber nicht unbedingt ganz grosse Namen, Regisseure, die schon mehrmals im Wettbewerb der Berlinale vertreten waren, sowie einige Newcomer.

Lone Scherfig, die heuer den Eröffnungsfilm „The Kindness of Strangers“ beisteuert, schaffte beispielsweise 2001 an der Berlinale mit „Italienisch für Anfänger“ den Durchbruch, hat immer wieder mit Filmen wie „Wilbur Wants to Kill Himself“ oder zuletzt „Their Finest“ („Ihre beste Stunde“) sympathische und stimmige, aber nie einen wirklich herausragenden Film gedreht.

Starke deutsche, schwache US-Präsenz

Wie zumeist stark vertreten ist im Wettbewerb um den Goldenen Bären das Gastgeberland Deutschland. Mit Fatih Akin, dessen Krimi „Der Goldene Handschuh“ in diesem Rahmen seine Weltpremiere feiert, wurde auch ein ehemaliger Berlinale-Sieger („Gegen die Wand“) eingeladen, dazu kommen Angela Schanelac („Ich war zuhause, aber“), die eher für sperrige Filme bekannt ist, und die Debütantin Nora Fingscheidt, die „Systemsprenger“ zeigt.

Überschaubar wird wohl der Starauflauf auf dem Roten Teppich vor dem Berlinale-Palast bleiben, wurde doch mit Adam McKays Biopic über den ehemaligen US-Vizepräsidenten und Verteidigungsminister Dick Cheney („The Vice“) gerade einmal ein Hollywood-Film eingeladen, der zudem noch ebenso wie die neuen Filme von André Techiné („L´adieu à la nuit“) und Agnès Varda („Varda par Agnès“) ausser Konkurrenz läuft.

Berlinale-Stammgäste

Mit 17 Filmen ist der Wettbewerb, bei dem die von Juliette Binoche geleitete Jury über die Vergabe der begehrten Bären entscheiden muss, insgesamt recht schmal gehalten. Zu den Berlinale-Stammgästen zählen darunter auch der Norweger Hans Petter Moland, der nach „Ein Mann von Welt“ und „Einer nach dem anderen“ mit „Our Stealing Horses“ eingeladen wurde, und der Chinese Wang Quan`an, der schon dreimal im Wettbewerb vertreten war und mit „Tuyas Hochzeit“ 2007 den Goldenen Bären gewann. Neben dessen neuem Film „Öndög“ ist China auch noch mit Zhang Yimous „One Second“ und „So Long, My Son“ von Wang Xiaoshuai – ebenfalls ein Berlinale-Stammgast - vertreten.

Die Polin Agnieszka Holland, die „Mr. Jones“ zeigt, zählt an der Spree ebenfalls zu den alten Bekannten wie der Kanadier Denis Côte, der seine ersten Filme in Locarno zeigte, nun aber seine „Ghost Town Anthology“ wie schon seine beiden letzten Filme in Berlin präsentiert.

Neues von Coixet, Ozon, Lapid

Gespannt sein darf man im Wettbewerb, der mit sieben Filmen von Frauen gegenüber zehn von Männern geschlechtermässig für einmal ziemlich ausgewogen ist, auch auf die neuen Filme der Österreicherin Marie Kreutzer („Der Boden unter den Füssen“) und der Spanierin Isabel Coixet („Elisa & Marcela“).

Zu den bekannten Namen im Wettbewerb zählt auch der Franzose Francois Ozon, der in „Grâce à Dieu“ angeblich mit dem Vatikan abrechnet, und der Israeli Nadiv Lapid, der „Synonymes“ zeigt.

Parallelsektionen: Panorama und Forum

Spannende Entdeckungen kann man bei der Berlinale aber oft auch in den anderen Sektionen machen. So laufen im „Panorama“ unter anderem mit „The Souvenir“ der neue Film der Britin Joanna Hogg und mit „Temblores“ der Zweitling des vor vier Jahren für „Ixcanul“ ausgezeichneten Guatemalteken Jayro Bustamente, ihre Weltpremieren. Gespannt sein darf man hier auch auf das Regiedebüt des US-Schauspielers Jonah Hill („Mids90“), Casey Afflecks Familiendrama „Light of My Life“ oder der Film noir „The Shadow Play“, in dem Lou Ye von Korruption und Bauskandalen in China erzählt.

Kaum bekannte Namen finden sich dagegen im „Internationalen Forum des Jungen Films“. Der Österreicher Nikolaus Geyrhalter, der in seinem neuen Dokumentarfilm „Erde“ am Beispiel von sieben Orten zeigt, wie der Mensch Berge versetzt und den Planeten Erde mit Gewalt umgestaltet, sticht hier heraus. Vom Stoff her spannend klingt eine Adaption von Elfriede Jelineks Gespensterroman „Die Kinder der Toten“ als Super-8-Stummfilm (Regie: Kelly Copper und Pavol Liska), während man sich bei den meisten der anderen 37 Filme dieser Programmschiene, in der in der Regel das formal Ungewöhnliche und Experimentelle den Ton angibt, wohl einfach überraschen lassen muss.

Schweizer Filme

Die Schweiz ist an der heurigen Berlinale im Forum mit dem Dokumentarfilm „African Mirror“ vertreten, in dem Mischa Hediger anhand des Archivs des Reisefotografen René Gardi die Geschichte des problematischen Afrikabildes der Europäer erzählt. Dazu kommen mit „Kids“ von Michael Frei, „Dernier jour d´automne“ von Marjolaine Perreten und „Zibilla“ von Isabelle Favez drei kurze Animationsfilmen, die für die Kinder- bzw. Jugendfilmsektionen „Generation Kplus Short Film“ bzw. „Generation 14plus Short Film“ ausgewählt wurden. Und auch Jacqueline Zünds neuer Dokumentarfilm "Where We Belong" feiert in der Sektion "Generation Kplus" Premiere.

Filmgeschichte im Zeichen der Frauen

Wie jedes Jahr wird freilich auch bei der heurigen Berlinale die Filmgeschichte gepflegt: Die Retrospektive rückt unter dem Titel „Selbstbestimmt. Perspektiven von Filmemacherinnen“ das oft vernachlässigte Filmschaffen von Regisseurinnen ins Zentrum und fokussiert dabei auf die Zeit von 1968 bis 1999. Dazu kommen in der Reihe Berlinale Classics die Premieren neu digital restraurierter Fassungen unter anderem von George Marshalls „Destry Rides Again“, Carl Theodor Dreyers „Ordet – Das Wort“, Márta Mészaros´ „Adoption“ und Dominik Grafs „Die Sieger“.
(Walter Gasperi)

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