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Un homme qui crie

FR 2010, 92 Min., OV/df, Regie: Mahamet-Saleh Haroun, mit Youssouf Djaoro, Diouc Koma, Djaneba Kone, Emil Abossolo M'Bo, Heling Li

Un homme qui crie

Rezension von Walter Gasperi

Nach „Abouna“ und „Daratt“ erzählt Mahamat-Saleh Haroun erneut eine Vater-Sohn-Geschichte vor dem Hintergrund des Bürgerkriegs im Tschad. Und wieder zieht der aus dem Tschad stammende Regisseur mit seiner unaufgeregten und leisen Erzählweise den Zuschauer langsam in ein Drama hinein, das um universelle Fragen kreist.

Mitte 50 ist Adam schon, aber immer noch ein stattlicher Mann, den alle nur „Champ“ nennen, weil er einst zentralafrikanischer Schwimmchampion war. Diese Zeiten sind allerdings schon lange vorbei, jetzt arbeitet Adam als Bademeister in einem Luxushotel in N´Djamela, der Hauptstadt des Tschad. Unterstützt wird er dabei von seinem Sohn Abdel, doch schon am Beginn wird im verspielten Balgen und einem Tauchwettkampf von Vater und Sohn nicht nur die Nähe, sondern auch ein Konkurrenzverhältnis spürbar.

Demütigung und Verrat

Fern scheint der Bürgerkrieg, der gleichwohl über Radio- und TV-Berichte präsent ist, getroffen wird die Familie zunächst aber von ganz anderen Problemen. Mit der Privatisierung des Hotels, das von chinesischen Geschäftsleuten übernommen wird, kommt es nämlich auch zu Einsparungsmassnahmen. Da wird nicht nur der mit Adam befreundete Koch entlassen, sondern bald auch am Pool das Personal reduziert. Abdel bekommt so den Job von Adam, der selbst zum Parkplatzwärter degradiert wird. Mit dieser Demütigung, die an Murnaus „Der letzte Mann“ erinnert, kommt Adam nicht zu Recht und als der Bürgerkrieg näher rückt und ein Offizier von ihm Geld oder die Stellung des Sohnes verlangt, trifft er eine Entscheidung, die er bald bitter bereuen wird.

Wie schon in „Abouna“ und „Daratt“ ist auch bei dem 2010 beim Filmfestival von Cannes mit dem „Preis der Jury“ ausgezeichneten „Un homme qui crie“ der Bürgerkrieg im Tschad der Hintergrund für eine private Geschichte, die um universelle und zutiefst menschliche Themen kreist. Zum Krieg kommen hier als weiteres Konfliktfeld die gesellschaftlichen Folgen der Globalisierung. Im Zentrum stehen aber wie bei den Vorgängerfilmen grundsätzliche Fragen nach Stolz und Demütigung, Schuld, Verrat und Reue. Ums Archetypische geht es Mahamet-Saleh Haroun und die Namen der Protagonisten sollen wohl bewusst Assoziationen an die Bibel wecken.

Leise laut schreiend

Statt seine Geschichte aber dramatisch aufzuladen, erzählt Haroun unaufgeregt in langen ruhigen und vielfach distanzierten Einstellungen. Nicht emotional überwältigen will er den Zuschauer, sondern ihn langsam durch die genaue Beobachtung und den liebevollen Blick auf Menschen und Situationen ins Geschehen hineinziehen. Auf alle Schnörkel und Beiwerk verzichtet der 1982 aus dem Tschad nach Frankreich geflohene Regisseur konsequent, auch Musik setzt er nur spärlich ein und erzählt einfach und geradlinig. Aber gerade durch diese leise und aufs Wesentliche reduzierte Erzählweise bewegt „Un homme qui crie“ und macht die äusseren Zwänge und die innere Zerrissenheit Adams, der von Youssouf Daoro grossartig als stumm schreiender Vater gespielt wird, eindringlich sichtbar. So klar und einfach aber die Bilder sind, so sehr lassen Leerstellen in der Erzählung auch immer wieder Freiraum für die Gedanken des Zuschauers und auch das Ende lässt vieles offen. Sodass „Un homme qui crie“ und die darin aufgeworfenen Fragen im Kopf des Zuschauers weiterarbeiten werden.

Kritiken

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