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62. Filmfestival Locarno – Einladung zu filmischen Entdeckungsreisen. Von Walter Gasperi

62. Filmfestival Locarno – Einladung zu filmischen Entdeckungsreisen. Von Walter Gasperi

Mehr Weltpremieren als je zuvor hat das Filmfestival von Locarno (5. – 15.8. 2009) heuer sowohl auf der Piazza Grande als auch im Wettbewerb zu bieten. Eine Nebenrolle spielen dabei die Amerikaner, der scheidende Festivaldirektor Frédéric Maire, der ab September die Leitung der Cinémathèque suisse übernehmen wird, setzt eher auf die Europäer und positioniert auch den Schweizer Film stark. Dass man dabei keine ganz grossen Namen - diese ziehen die nur wenige Wochen nach Locarno beginnenden Festivals von Venedig oder Toronto vor – erwarten kann, stört kaum, hat sich Locarno zumindest im Wettbewerb doch immer schon als ein Festival der Entdeckungen verstanden.

Eröffnet wird auf der Piazza Grande mit Marc Webbs romantischer Komödie „500 Days of Summer“, die bei den amerikanischen Kritikern sehr gut ankam (rottentomatoes.com), ehe noch am gleichen Abend mit Amos Gitais Verfilmung seiner eigenen Theaterinszenierung „La guerre des fils de la lumière contre les fils des ténèbres“ Schwergewichtiges folgt. Der Israeli setzt sich in diesem Stück nach dem Geschichtswerk des römischen Historikers Josephus Flavius mit dem Jüdischen Krieg im Jahr 70 n. Chr. auseinander (nachtkritik.de). Die Schweiz ist auf der Piazza nicht nur mit Christoph Schaubs Komödie „Giulias Verschwinden“, zu der Martin Suter das Drehbuch lieferte, sondern auch mit „La valle delle ombre“ von Mihály Györik vertreten. Dieser in den schweizerisch-italienischen Alpen gedrehte Film wird am „Journée du Cinéma Suisse“ (12.8.), der unter dem Motto „Jubiläum 100 Jahre Filmmusik“ steht, uraufgeführt werden. Neben einer Podiumsdiskussion zum Thema „Kultursponsoring in Zeiten der Krise“, einem Workshop zu „Filmmusik“ und der Präsentation einer CD zu „film music made in Switzerland“ wird an diesem Tag auch Wolfgang Panzers „Baba´s Song“ uraufgeführt.

Ein Abend auf der Piazza steht im Zeichen der Retrospektive zum japanischen Manga-Film und auch die Verdienste der „Semaine de la critique“, die heuer ihr 20jähriges Bestehen feiert und wiederum sieben außergewöhnliche Dokumentarfilme präsentiert, werden auf der Piazza mit der Uraufführung von Norbert Wiedmers und Peter Guyers Dokumentarfilm „Sounds and Silence“ besonders gewürdigt.

Im Wettbewerb um den Goldenen Leoparden, in dem wie auf der Piazza die Europäer den Ton angeben, die USA unter den 18 Filmen nicht, Lateinamerika mit drei und Asien mit fünf Filmen vertreten sind, finden sich sieben Debüts. Gespannt darf man hier vor allem auf „Complices“, den ersten Spielfilm des Schweizers Frédéric Mermoud, sein. Neben den Newcomern zeigen in dieser Programmschiene mit dem Kanadier Bernard Èmond, der nach „La neuvaine“ und „Contre toute espérance“ mit „La donation“ seine Trilogie über die göttlichen Tugenden abschließt, und dem Japaner Masahiro Kobayashi, der schon vor zwei Jahren mit dem radikalen „Ai no yokan – The Rebirth“ den Goldenen Leoparden gewonnen hat, zwei in Locarno bestens bekannte Regisseure ihre neuen Werke. – Mit offenen Augen und Ohren sollte man sich somit einlassen auf die filmische Entdeckungsreise, zu der das vielfältige Programm des 62. Filmfestivals von Locarno einlädt.
(Walter Gasperi)