RUBRIKEN

KINO

UNTERSTÜTZE UNS

Damit wir das Projekt 451° Filmportal aufrecht erhalten können, sind wir auf deine Spende angewiesen. Vielen Dank!

PARTNER

Die Vaterlosen

AT 2011, 105 Min., D, Regie: Marie Kreutzer, mit: Andreas Kiendl, Andrea Wenzl, Emily Cox, Johannes Krisch, Marion Mitterhammer, Philipp Hochmair, Pia Hierzegger, Sami Loris

Die Vaterlosen

Rezension von Walter Gasperi

Welchen Wert hat die Familie? Wie erzieht man Kinder richtig? - Die Österreicherin Marie Kreutzer lässt in ihrem von einem grossartigen Ensemble getragenen Spielfilmdebüt vier Geschwister angesichts des Todes ihres Hippie-Vaters zusammentreffen und ihre Kindheit in der Kommune aufarbeiten.

Unvermittelt ist der Einstieg: Der in Deutschland als Arzt arbeitende Niki (Philipp Hochmair) kommt zu einem heruntergekommenen Landhaus in der Steiermark, wo er in den 80er Jahren in der von seinem Vater geleiteten Kommune seine Kindheit verbrachte. Jetzt liegt der Vater im Sterben, doch es gibt keine Versöhnung, sondern noch mit den letzten Worten beschimpft der Sterbende den Sohn als Feigling, der es immer allen recht machen will.

Zu spät kommen Nikis Bruder Vito (Andreas Kiendl) mit Gattin Sophie (Pia Hierzegger), sowie Kyra (Andrea Wenzl) mit ihrem Freund. Für Mizzi (Emily Cox), die zweite Tochter des Verstorbenen, ergibt sich mit Kyras Ankunft freilich eine ganz neue Situation, hat sie doch von dieser Schwester bislang nichts gewusst. Wenige Tage nach Mizzis Geburt wurde Kyra nämlich vor inzwischen rund 20 Jahren mit ihrer Mutter vom Verstorbenen aus der Kommune vertrieben. So lösen das Zusammentreffen der Geschwister und die neue Situation eine Aufarbeitung ihrer Kindheit in der Kommune und eine posthume Auseinandersetzung mit dem Vater aus.

Wertfreier Blick auf die Kommune

Fast ausschließlich im und um das abseits vom Dorf gelegene Haus spielt „Die Vaterlosen“, beschränkt sich zeitlich auf die Tage zwischen dem Tod des Vaters und der Beerdigung und hinsichtlich der Figuren auf die Familie. Erst nach und nach werden die Beziehungen der Figuren zueinander klar. Dramaturgisch geschickt und mit sicherer Hand entwickelt Marie Kreutzer so vom Ausgangspunkt aus ein zunehmend dichteres und differenzierteres Familienbild, lässt auch immer tiefer in die Charaktere und ihre Kindheit blicken.

In kurzen Rückblenden wird Einblick in zentrale Ereignisse im Leben der Kommune geboten. Auch wenn diese Szenen in warmes Licht und leuchtende Farben getaucht sind, verklärt Kreutzer die Kommune nicht, sondern schildert sie wertfrei und wirft beiläufig Fragen nach dem Wert der Familie, nach Freiheit und Bindung sowie nach der richtigen Erziehung von Kindern auf. Die Aussage „Familie ist überbewertet“ steht hier einem „Familie sind die Wurzeln“ gegenüber.

Differierendes Vaterbild

Nah ist Kreutzer an ihren Figuren, fokussiert ganz auf ihnen und zeichnet dank treffender Dialoge und einer exzellenten Besetzung facettenreiche Charaktere, die ganz unterschiedliche Bilder von ihrem verstorbenen Vater haben. Da gibt es keinen Protagonisten, sondern ein wunderbar zusammenspielendes Ensemble. Philipp Hochmair als Nikki steht da mit gepflegtem Äußerem und hochdeutscher Sprache Andreas Kiendl als Vito gegenüber, der mit Wiener Dialekt und Dreitagebart Hippiereste des Vaters in die Gegenwart gerettet hat, schließlich sogar davon träumt das Haus zu renovieren und damit wohl auch die Ideale des Vaters wieder aufleben lassen will. Bei Andrea Wenzls Kyra spürt man zunächst die Distanz zu einer Familie, zu der sie 20 Jahre lang keinen Kontakt hatte. Erst langsam erwacht da wieder etwas, vor allem in der Beziehung zu ihrem älteren Bruder Niki, während sie auf den Grabstein des Vaters am liebsten „egoistisches Arschloch“ schreiben liesse. Und Emily Cox´ Mizzi merkt man die Irritation über die neuen Erkenntnisse an.

Einzig, dass „Die Vaterlosen“ allzu versöhnlich ist, könnte man Kreutzer vorwerfen, dass sie es wie Niki allen recht machen möchte und es dabei etwas an Biss, an Ecken und Kanten vermissen lässt. Doch andererseits gibt es solche scharfen Abrechnungen mit der Familie im Kino schon so viele, dass man an der Leichtigkeit dieses Debüts auch seine Freude haben kann.

Kritiken

National International
- Rolf Breiner für cineman.ch - Till Kraditzke für critic.de
- art-tv.ch - Markus Keuschnigg für diepresse.com
  - Isabella Reicher für derstandard.at
  - Stefan Grissemann für profil.at
   
Offizielle Website Verleiher
www.dievaterlosen.at Xenix Film

Kommentare

Um deine Meinung publizieren zu können, musst du dich anmelden oder - als Neuabonnent - registrieren.