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David Wants To Fly

DE 2009, 96 Min., D, Regie: David Sieveking, Dokumentarfilm

David Wants To Fly

Rezension von Geri Krebs

David Sieveking erkundet anhand von Kultregisseur David Lynch höchst vergnüglich die „Transzendentale Meditation“.

Der Filmstudent David Sieveking hat eine Schaffenskrise, und er hat Liebeskummer mit seiner Marie, die sich zu Höherem berufen fühlt und als zukünftige Romanautorin zu einer Reise mit ungewisser Rückkehr nach New York aufbricht. David Sieveking hat aber auch ein grosses Idol, und das heisst David Lynch, und als der kleine David überraschend die Gelegenheit erhält, den grossen David zu treffen, scheint er endlich ein Sujet für seinen neuen Film gefunden zu haben.

Was wie der Plot für eine Spielfilmsatire klingt, dient dem 1977 geborenen Deutschen David Sieveking als Aufbruch zu einem unglaublich komischen dokumentarischen Selbstversuch in Sachen „Transzendentaler Meditation“. Diese Praktik steht nämlich ganz im Zentrum des ersten Treffens der beiden Davids, denn der amerikanische Kult-Regisseur ist seit über einem Jahrzehnt ein begeisterter Anhänger und sendungsbewusster Jünger dieses spirituellen Hokuspokus, der einst von dem indischen Guru Maharishi Mahesh Yogi gegründet und seit den späten 1960ern von Grössen wie den Beatles, Donovan, Mia Farrow und Clint Eastwood fleissig praktiziert und popularisiert wurde. Was zu jener Zeit noch sympathischen Skurrilitätswert hatte, wurde im weiteren Verlauf immer mehr zum milliardenschweren Geschäft, und schliesslich seit dem Tod von Maharishi Mahesh Yogi Anfang 2008 zu einem immer bizarrere Formen annehmenden Kampf verschiedener Nachfolgegurus. Als einer von ihnen sieht sich David Lynch, und so erlebt der Zuschauer in „David Wants To Fly“ einen völlig weggetretenen, offensichtlich nahe am Wahnsinn stehenden Regisseur, der dem Autor des Dokumentarfilms nicht nur unverhohlen mit einer Millionenklage droht, sondern auch mit Schwachsinn vom Kaliber „wir kämpfen für ein unbesiegbares Deutschland“ ein schon wieder bedauernswertes Bild abgibt.

Es sind zahlreiche dokumentarische Trouvaillen wie diese, die geradezu unglaublich anmuten, und die einen grossen Reiz von „David Wants To Fly“ ausmachen. – Andererseits aber ist es die durchgehend konsequente Selbstironie, mit der David Sieveking in die Tiefe einer Bewegung eintaucht, bei der man sich immer wieder kopfschüttelnd fragen muss, wie es möglich ist, dass so viele intelligente Menschen in aller Welt bereit sind, ihren Verstand abzugeben. Da verzeiht man es dem äusserst talentierten Filmautor dann auch, dass gegen Ende des Films schliesslich die Liebeswirren den filmischen Untersuchungsgegenstand weitgehend zu überlagern beginnen. Doch dies tut einem der vergnüglichsten Dokumentarfilme seit langem keinen Abbruch.
(Geri Krebs)

Kritiken

National International
- Thomas Hunziker in filmsprung.ch - Marie Pohl in sueddeutsche.de
- Silvia Süess in woz.ch - Beatrice Behn in kino-zeit.de
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- Christine Stark in medientipp.ch - Alissa Simon in variety.com
   
Offizielle Website Verleiher
www.davidwantstofly.com Praesens