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Les Passagers De La Nuit

FR 2022, F/d, 111', Regie: Mikhaël Hers, mit Charlotte Gainsbourg, Quito Rayon-Richter, Noée Abita

Les Passagers De La Nuit

Filmkritik von Walter Gasperi

Wie hingetupft und federleicht: Mikhaël Hers begleitet eine etwa 50-jährige Frau, die nach der Trennung von ihrem Mann erst langsam einen neuen Lebensweg finden muss, und ihre beiden fast erwachsenen Kinder durch das Paris der 1980er Jahre. – Getragen von einer großartigen Charlotte Gainsbourg und einer von Liebe zu den Menschen und dem Kino durchzogenen Inszenierung gelang Hers ein unaufgeregter und beglückender Film über das Leben und die Kraft und Bedeutung von Beziehungen.

Wie zuletzt schon die famose Coming-of-Age-Geschichte "Les Magnétiques" setzt auch Mikhaël Hers vierter langer Spielfilm mit der Wahl François Mitterands zum französischen Präsidenten am 10. Mai 1981 ein. Fließend mischt Hers nicht nur bei diesem Auftakt Archivmaterial mit neuen inszenierten Szenen. Auf Bilder vom Jubel über den Sieg Mitterands folgen nämlich später immer wieder kurze, eingeschnittene Stadtansichten.

Einzig durch das kleinere Format hebt sich dieses Found Footage-Material dabei vom restlichen, in körnigen Bildern gehaltenen Film ab, dessen Außenaufnahmen teilweise auf analogem 35mm-Film gedreht wurden. Unterstützt von der Musik und den zahlreichen Nachtaufnahmen evoziert der 47-jährige Franzose so eine betörende Stimmung der Melancholie.

Im Mittelpunkt der Handlung steht die etwa 50-jährige Elisabeth (Charlotte Gainsbourg), die kurz vor Beginn des Films von ihrem Mann verlassen wurde. Ziemlich verzweifelt sitzt sie mit ihrem Vater und ihren beiden fast erwachsenen, vor dem Abitur stehenden Kindern in der Pariser Stadtwohnung. Neu muss sie sich nun orientieren, muss erstmals einen Job suchen, denn Kindererziehung und Krankheit haben sie zuvor vom Arbeiten abgehalten.

Die Beiläufigkeit, mit der Hers später diese Krankheit, genauer definiert, kennzeichnet die Inszenierung des gesamten Films. Nichts wird hier besonders betont oder aufgebauscht, sondern die Dinge passieren eben einfach und das Leben gleitet, gegliedert durch die Inserts "1984" und "1988", durch das Jahrzehnt dahin.

Mit meisterhaft kontrolliertem ruhigem Rhythmus entwickelt diese Frauen- und Familiengeschichte so einen soghaften Flow, in dem man versinken kann. Kein großes Drama macht Hers dabei daraus, dass Elisabeth bei ihrem ersten Job schon nach dem ersten Tag wieder gekündigt wird, auch dass sie später ein Kollege nach dem ersten Sex sofort wieder sitzen lässt, wird so wenig ausgebaut wie später der Beginn einer neuen Liebe.

Große Leichtigkeit gewinnt der Film durch diese elliptische Erzählweise, bei der vieles nur knapp angeschnitten wird. Getragen wird dieses ungemein sanfte und zarte Drama aber von einer großartigen Charlotte Gainsbourg, die einfühlsam und bewegend die Wandlung Elisabeths von der verzweifelten und psychisch labilen verlassenen Ehefrau zur wieder Lebensmut fassenden, lachenden und optimistisch in die Zukunft blickenden Frau vermittelt.

Eine Anstellung findet Elisabeth beim Radio als Telefonistin, die die Anrufer*innen für die titelgebende Nachtsendung "Les passagers de la nuit" prüfen und abweisen oder an die Moderatorin weiterleiten muss. Selbst bringt sie auch gleich die junge obdachlose Herumtreiberin Talulah (Noée Abita) in die Sendung, die sie dann unter ihre Fittiche nimmt und in ihrer Wohnung aufnimmt, bis Talulah plötzlich verschwindet.
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Kritiken

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- Théo Metais für cineman.ch - Fabien Lemercier für cineuropa.org
- Silvia Posavec für tagblatt.ch - Bastien Gens für critikat.com
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