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Il Buco

IT/FR/DE 2021, OV/df, 93', Regie: Michelangelo Frammartino, mit Claudia Candusso, Paolo Cossi, Nicola Lanza

Il Buco

Filmkritik von Walter Gasperi

Dialoglos zeichnet Michelangelo Frammartino eine Höhlenexpedition in Süditalien in den frühen 1960er Jahren nach und stellt sie dem Hirtenleben an der Erdoberfläche gegenüber: Eine meditative, visuell und akustisch berauschende Reise in eine fremde Welt, die offen ist für viele Interpretationen.

Schon seinen ersten Langfilm "Il dono" (2003) drehte der 1968 in Mailand geborene Michelangelo Frammartino im kalabrischen Heimatdorf seiner Eltern. Auch sein zweiter Langfilm "Le quattre volte" (2010), in dem Frammartino dialoglos das ländliche Leben einfing, entstand in dieser Region. Und auch mit seinem dritten Film "Il buco", der 2021 bei den Filmfestspielen von Venedig mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet wurde, bleibt er dieser archaischen Gegend treu.

So große zeitliche Abstände zwischen seinen Filmen liegen, so langsam sind diese auch im Erzählrhythmus. Jede Einstellung des Schweizer Kameramanns Renato Berta und jeder Ton ist hier genau geplant und lädt ein, in die Welt dieses auf der einen Seite so klaren und andererseits in der Offenheit für Interpretationen so rätselhaften Films einzutauchen.

Die Grenzen von Dokumentar- und Spielfilm verschwimmen in den Filmen des Italieners dabei, wenn er eine Höhlenexpedition des Jahres 1961 nachzeichnet. Eine Gruppe junger Höhlenforscher drang damals im 2200 Meter hohen Gebirgszug des Monte Pollino, der an der Grenze zwischen Kalabrien und der Basilikata liegt, in den Abisso del Bifurto vor.

So genau Frammartino aber auch die Erforschung der Höhle und deren schriftliche Dokumentation nachzeichnet, so wenig ist er an Vermittlung von Fakten interessiert. Nicht um Höhlenkunde geht es hier, sondern philosophisch ist der Ansatz, wenn am Beginn ein Fernsehbericht über den Bau des Pirelli-Hochhauses in Mailand, eines der höchsten Wolkenkratzers Italiens, dieser Expedition gegenübergestellt wird. Dem vertikalen Streben in die Höhe steht so das Erkunden der Tiefe gegenüber, während es gleichzeitig noch in der Horizontale das archaische Hirtenleben in dieser Region gibt.

Wie die Zuschauer*innen im Dunkeln des Kinos sitzen, beginnt auch "Il buco" ("Das Loch") in völliger Dunkelheit mit dem Tropfgeräusch von Wasser. Erst langsam hellt sich das Bild auf und öffnet sich der Blick von unten durch das titelgebende Loch zum Ausgang, vor dem Kühe weiden. Unscheinbar wirkt die Höhle von oben, erscheint auf der Wiese als Loch zwischen einigen Felsblöcken – und doch wird es hier schließlich 683 Meter in die Tiefe gehen.

Wie Frammartino mit dem Bau des Pirelli-Hochhauses und der Höhle im archaischen Kalabrien den Gegensatz von reichem Norden und rückständigem Süden ins Spiel bringt, ohne diesen breit auszuformulieren und zu thematisieren, so spielt er durchgängig mit Gegensätzen. Diese werden aber nicht dramatisch aufgebauscht, sondern einfach nebeneinander gestellt. – Frammartino zeigt nur, die Interpretation seiner Bilder und der Montage dieser ruhigen, meist statischen Einstellungen überlässt er den Zuschauer*innen.
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Kritiken

National International
- Fanny Agostino für cineman.ch - Yanick Nolting für filmstarts.de
- Hanspeter Stalder in der-andere-film.ch - Peter Bradshaw für theguardian.com
- Swantje Oppermann für outnow.ch - Jessica Kiang für variety.com
   
Verleiher
Xenix Film

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