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1976

CL 2022, OV/df, 95', Regie: Manuela Martelli, mit Aline Kuppenheim, Nicolás Sepúlveda, Hugo Medina

1976

Filmkritik von Walter Gasperi

Eine gutbürgerliche Frau beginnt im Chile Pinochets verdeckt den Widerstand zu unterstützen. – Manuela Martelli evoziert in ihrem Spielfilmdebüt dicht die permanente Atmosphäre von Angst, Überwachung und Verunsicherung in Zeiten einer brutalen Militärdiktatur.

Mit Politik hat die etwa 50-jährige Arztgattin Carmen (Aline Kuppenheim) nichts am Hut. Im Farbengeschäft interessiert sie sich für das perfekte Rosa, mit dem sie die Ferienvilla am Meer bemalen lassen will. Doch auf der Tonspur wird der Einkauf durch Geräusche und Stimmen von draußen gestört. Bruchstückhaft bekommt man mit, dass eine Frau von der Polizei verhört und verhaftet wird.

Ganz nah ist die Kamera von Soledad "Yarara" Rodriguez zunächst an den Farbtöpfen und Carmen. Erst als die Polizeiaktion abgeschlossen ist, springt sie in eine Halbtotale und vermittelt einen Eindruck vom Farbengeschäft.Die Trennung von Innen und Außen verweist auch schon auf die gesellschaftliche Spaltung Chiles unter Diktator Augusto Pinochet, der 1976 das Land schon drei Jahre mit eiserner Hand regiert und jede Opposition auslöschen will. Dem quasi abgeschotteten Leben im Farbengeschäft steht der Widerstand draußen gegenüber. Wie die Jalousie am Ende der Szene heruntergelassen wird, schließen die Menschen die Augen vor der politischen Verfolgung.

Carmen fährt zwar mit ihrem Wagen zur Strandvilla, wo sich die Angestellte Estea (Carmen Gloria Martínez) um den Haushalt kümmert, doch das Erlebte hat sie verunsichert und zum Nachdenken gebracht. Dazu kommt noch, dass bald darauf der örtliche Pfarrer (Hugo Medina) sie aufgrund ihrer medizinischen Kenntnisse bittet, sich um einen jungen Mann zu kümmern, der bei der Flucht vor der Polizei durch einen Schuss verletzt wurde und den er versteckt.

Indem Manuela Martelli konsequent aus der Perspektive der von Aline Küppenheim zurückhaltend, aber mit großer Präsenz und vielschichtig gespielten Carmen erzählt, bietet "1976" auf der einen Seite Einblick ins Leben des gehobenen Bürgertums. Dass in ihrer Familie politische Diskussionen nicht geduldet werden, wird klar, wenn Carmens Mann ein diesbezügliches Gespräch der erwachsenden Kinder sofort unterbindet. Beiläufig werden auch patriarchale Strukturen sichtbar, wenn Carmen erklärt, dass sie einst selbst gern Ärztin geworden wäre, ihr Vater aber kein Verständnis dafür hatte und zu einer Heirat drängte.
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Kritiken

National International
- Hanspeter Stalder für der-andere-film.ch - Allan Hunter für screendaily.com
- Sarah Stutte für medientipp.ch - John Hopewell für variety.com
- Silvia Posavec für filmbulletin.ch  
   
Verleiher
Trigon Film

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