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Le Daim

FR 2019, OV/d, 77 Min., Regie: Quentin Dupieux, mit Adèle Haenel, Albert Delpy, Coralie Russier, Jean Dujardin

Le Daim

Filmkritik von Lukas Foerster

In der ersten Szene entdeckt Georges beim Tanken sein Spiegelbild im Seitenfenster eines Autos; er erblickt dabei allerdings nicht sich selbst, sondern lediglich die Jacke, die er trägt. Das ist die erste, grundlegende Verschiebung, auf der der restliche Film aufbaut: Wo alle anderen Menschen sehen, sieht Georges Jacken. Nicht ausschliesslich, aber zuvorderst, das heisst, für ihn ist nicht die Jacke ein Accessoire des Menschen, sondern der Mensch ein Accessoire der Jacke und entsprechend entbehrlich.

Zunächst jedoch gibt es ein Problem mit seiner eigenen Jacke. Für die, die er an der Tankstelle im Spiegelbild sieht, eine unauffällig blaue, leicht speckige Allerweltsjacke, hat er nur Verachtung übrig, schnell hat er sich ihrer entledigt und, unter Einsatz seines gesamten Barvermögens, einen weitaus spektakuläreren Ersatz organisiert: eine echte Wildlederjacke, mit Fransen geschmückt, im prolligen, aber durchaus nicht reizlosen Country-&-Western-Style.

Nicht erst wenn der Protagonist stolz in seinem neuen Kleidungsstück vor dem Spiegel steht und sich an breitbeinigen Machoposen versucht, scheinen sich simple psychologische Deutungsmuster aufzudrängen: prekäre Männlichkeit, die sich in Statussymbolen entäussert, Verdrängung oder, eben, Verschiebung innerer Traumata und so weiter. Gelegentliche Zwischenschnitte auf ein unschuldig in die Kamera blinzelndes Reh deuten ausserdem auf eine pathogene Fehlidentifikation hin: Georges, der sich im weiteren Verlauf des Films noch eine Reihe anderer Kleidungsstücke aus Wildleder zulegen wird, möchte sich seines zivilisatorischen «Fells» entledigen und in ein neues, kreatürliches Hautkleid schlüpfen.
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Kritiken

National International
- Lino Cassinat für cineman.ch - Frédéric Jaeger für critic.de
- Christoph Schelb für outnow.ch - Melanie Goodfellow für screendaily.com
- Michael Sennhauser in sennhausersfilmblog.ch - Boyd van Hoeij für hollywoodreporter.com
- Matthias Lerf im Interview mit Quentin Dupieux in tagesanzeiger.ch - Jérémie Custon für telerama.fr
   
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