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Systemsprenger

DE 2019, D, 118 Min., Regie: Nora Fingerscheidt, mit Helena Zengel, Albrecht Schuch, Gabriela Maria Schmeide, Lisa Hagmeister

Systemsprenger

Filmkritik von Katrin Doerksen

«Keine Sorge, das ist Sicherheitsglas», wiegelt ein Erzieher ab, aber als das nächste Bobbycar mit voller Wucht gegen die Fensterscheibe prallt, springt das Glas doch. Schuld ist Benni, eigentlich Bernadette, aber den Namen hasst sie.

Benni ist neundreiviertel Jahre alt und ein sogenannter Systemsprenger. Infolge frühkindlicher Traumata und ausgeprägter Wutausbrüche fällt sie durch sämtliche von Familien, Jugendamt und Pflegeeinrichtungen mühsam aufgebaute Raster, selbst die Inobhutnahmestelle lehnt sie ab. Benni klaut Handtaschen und verteilt Schläge wie ein in die Ecke getriebener Sechzehnjähriger, sie knallt die Köpfe unliebsamer Mitschülerinnen hart auf Tischkanten und pinkelt ihren Betreuerinnen vor die Tür, wenn sie nicht die nötige Aufmerksamkeit erhält.

Es dauert, bis sich die Kamera in Systemsprenger einmal für längere Zeit von Benni losreisst, um in Ruhe die Reaktionen anderer auf sie zu erforschen. In Grossaufnahme zeigt sie uns ein Gesicht, in das die blanke Hilflosigkeit geschrieben steht: Albrecht Schuch spielt Micha, den neuen Schulbegleiter von Benni, der sonst nur mit verhaltensauffälligen Jugendlichen arbeitet. Ungläubig starrt er das kleine Mädchen an. Überhaupt interessiert sich der Film für Gesichter. Oder, noch grundlegender: für Köpfe. Narben durchbrechen Michas spärlichen Haarwuchs; eine Neurologin, die Benni regelmässig verkabelt, wirkt mit ihren roten Haaren, der durchscheinenden Haut und den gros­sen, hervorstehenden Augen wie ein Wesen aus einer anderen Dimension. Die Sozialarbeiterin Frau Bafané erscheint als rundliches, protomütterliches Bollwerk der Unerschütterlichkeit, das glatte Gegenteil von Bennis tatsächlicher Mutter, einer blondierten Junggebliebenen, deren angespannte Züge Angst vor der eigenen Tochter verraten. Einmal taucht ein mürrischer Bauer auf, das Gesicht von tiefen Furchen durchzogen. Einzig in Bennis Gesicht hat sich das Leben noch nicht eingeschrieben, trotz der Einschnitte auf ihrem Kerb­holz. Das kindliche Gesicht von wasserstoffblonden Wellen umspült, blaue Augen, kaum sichtbare Brauen. Sie wirkt regelrecht konturlos, und dieses Zeichen von Jugend, von leichter Beeinflussbarkeit macht sie zur idealen Protagonistin, um anhand ihres extremen Einzelfalls eine umfassende Systemkritik aufzuziehen.
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