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PL/IT 2022, OV/df, 86', Regie: Jerzy Skolimowski, mit Sandra Drzymalska, Isabelle Huppert, Lorenzo Zurzolo

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Filmkritik von Walter Gasperi

In Jerzy Skolimowskis in Cannes mit dem Preis der Jury ausgezeichneter Neuinterpretation von Robert Bressons "Au hasard Balthazar" erfährt ein Esel im heutigen Europa Leid und Glück: Ein eigenwilliger, fragmentarischer und sich teilweise an der Grenze zum Experimentalfilm bewegender Spielfilm.

1966 schilderte der Franzose Robert Bresson in "Au hasard Balthazar" in der für diesen Regisseur typischen asketischen Bildsprache die Leidensgeschichte eines Esels im ländlichen Frankreich. Tief beeindruckt war der Pole Jerzy Skolimowski von diesem Film, der der einzige gewesen sei, bei dem er je geweint habe.

56 Jahre später legt Skolimowski, der Anfang der 1960er Jahren in Polen seine Karriere begann, aber schon ab Ende des Jahrzehnts vorwiegend im Westen drehte, eine Neuinterpretation von Bressons Meisterwerk vor. Dass dieser Altmeister sich dabei filmsprachlich nicht am Vorbild orientieren wird, machen schon die ersten, ganz in Rot getauchten Bilder klar.

Durch die Nähe der Kamera ist zunächst unklar, was hier eigentlich passiert, bis sich herauskristallisiert, dass es sich um eine Zirkusszene handelt, bei der die Artistin Kassandra (Sandra Drzymalska) mit dem Esel ein Kunststück vorführt. Die in Rot getauchten Momente, die es auch später immer wieder im Film gibt, entpuppen sich rasch als Träume oder Gedanken des Esels.

So liebevoll dieser EO, dessen Name auf den Eselruf "Iah" verweist, aber von Kassandra behandelt wird, so brutal schlägt der Zirkusdirektor auf das Grautier ein, als dieses in der folgenden Szene nicht sofort einen Karren mit Alteisen ziehen will. Doch Kassandra greift ein und stoppt den gefühlskalten Schläger.

Doch nur kurz kann sie ihre schützende Hand über die gequälte Kreatur halten, denn als Tierschützer gegen die Haltung von Zirkustieren protestieren, müssen die Tiere verkauft werden. Immer wieder ist nun EO, der von sechs verschiedenen Eseln verkörpert wird, in einem Transporter unterwegs. Bald kommt er auf einen Pferdehof, von dem er abbaut, bald soll er nach Italien zu einem Schlachthof gebracht werden.

Immer wieder bricht er aber auch aus seinem Gefängnis aus. Er streift durch die Wälder, erfreut bei einem Fußballspiel die eine Mannschaft, während die Hooligans der anderen Mannschaft ihn fast zu Tode prügeln oder er wird auf einem LKW-Parkplatz Zeuge sowohl der bedrückenden Lage von Flüchtlingen als auch eines brutalen Mords.

Ähnlich wie Andrea Arnold in ihrem Dokumentarfilm "Cow" erzählt auch Skolimowski ganz aus der Perspektive seines Protagonisten. Menschen bleiben Nebenfiguren, der Dialog ist auf ein Minimum reduziert. Hautnah ist die Kamera von Michal Dymek dafür immer wieder an EO, fokussiert lange auf sein traurig blickendes Auge oder die aufstehenden Haare des grauen Fells.
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