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Hanezu no tsuki

J 2011, 91 Min., OV/df, Regie: Naomi Kawase, mit Tôta Komizu, Tetsuya Akikawa, Kirin Kiki, Taiga Komizu

Hanezu no tsuki

Rezension von Irene Genhart

„Hanezu no tsuki“ ist ein tief der Natur und Geschichte verbundener, kontemplativer Liebesfilm, gedreht von Naomi Kawase.

„Hanezu“ steht im Presseheft von „Hanezu no tsuki“ nachzulesen, sei eine uralte, heute nicht mehr gebräuchliche Bezeichnung für die Farbe Rot. Sie assoziiere ihre Bedeutung mit Blut, Sonne und Feuer, den ursprünglichen Symbolen des Lebens, und finde sich im „Man’yōshū“, der ältesten japanischen Gedichtanthologie. In dieser findet sich denn auch das „Hanezu no tsuki“ vorangestellte und darin mehrfach wiederholte Gedicht, bzw. die Sage um die männlichen Berge Unebi und Miminashi, die um die Gunst des zwischen ihnen liegenden, weiblichen Mount Kagu buhlen. Es ist dies eine Lovestory as told by the Gods, eine auf die Ursprünge des Lebens, auf Tradition und Spiritualität verweisende Liebesgeschichte.

Vergangenheit und gegenwärtiges Sein
Sie spiegelt sich unmittelbar in der – durchaus im Heute angesiedelten – Dreiecksgeschichte, die „Hanezu no tsuki“ erzählt. Diese spielt in und um Asuka, einem Dorf in der Nara-Region, der Geburtsstätte des heutigen Japans, der Heimat auch der Regisseurin Naomi Kawase. Es gibt in Asuka riesige Ausgrabungsstätten, in denen in jahrelanger, sorgfältiger Geduldsarbeit Japans Geschichte aus dem Sand gegraben wird: „Wir stehen auf einer uralten Kapitale“, staunt in „Hanezu no tsuki“ ein kleiner Bub und ist begeistert von der Idee in unmittelbaren Verbindung mit der Vergangenheit zu stehen.
Die Vergangenheit als Voraussetzung des gegenwärtigen Seins, das ist, grob umschrieben denn auch die Idee, die „Hanezu no tsuki“ zu Grunde liegt, dieser Geschichte um die Textilfärberin Kayoko (Hako Oshima), die mit ihrem Mann Tetsuya (Tetsuya Akiwaka), in einer modernen, kleinen Wohnung haust, manchmal aber mit dem Fahrrad ins Grüne fährt und den Holzschnitzer Takumi (Tohta Komizu) besucht. Takumi ist ein „Naturbursche“, der Stunden lang versunken an seinen Skulpturen arbeitet, Tetsuya dagegen ein PR-Berater, der morgens aus dem Haus stürmt, berufshalber bisweilen wochenlang unterwegs ist. Takumi kocht für Kayoko bodenständige Nudeln, Tetsuya schleppt sie mit in den properen Öko-Laden, wo er Gemüse aus der Region kauft, das er sorgfältig zubereitet. Takumi freut sich, wenn sich Kayoko hungrig über seine Nudeln hermacht, Tetsuya hält ihr beim Essen endlose Vorträge über Bio-Labels und deren Promotion: Zwischen zwei Männern, unterschiedlichen Weltansichten und Lebensweisen steht Kayoko. Vielleicht steht sie da schon eine ganze Weile, doch das ist nicht von Belang. Denn nun trägt sie ein Kind unter dem Herzen, und da geraten die Gefühle in Wallung, kommen die Dinge ins Rollen. „Ich bin schwanger“, teilt sie Takumi am Ende eines gemeinsam verbrachten Nachmittags mit, Wochen später erklärt sie Tesuya zwischen zwei Bissen, sie habe sich verliebt. Die Männer schweigen. Doch auf der Tonspur – man weiss nicht, sind es Kayokos Gedanken, die inneren Stimmen ihrer Männer, oder ein Echo aus der Vergangenheit – ist die Rede von Kampf, Duell und Auseinandersetzung.

Hoch poetisches Bild-Gedicht
Die Narration, die Erzählweise von „Hanezu no tsuki“ ist ein ewiges Gleiten, ein permanentes Glissement, in dem inneres Denken und äusseres Geschehen, Traumwelten und Realitäten, Gegenwart und Vergangenheit unablässig und nahtlos ineinander übergehen; die lupennahe Beobachtung der Natur spiegelt sich in der weiten Aufnahme der Landschaften. Während Kayoko ihre Mutter besucht und dabei von ihrer Grossmutter erfährt, die auf Geheiss der Eltern einen anderen Mann heiratete als denjenigen, dem ihr Herz gehörte, blättert Takumi in alten Fotoalben und begegnet beim Besuch auf dem Friedhof dem längst verstorbenen Grossvater. „Hanezu no tsuki“ ist bedächtig erzählt, schön fotografiert, kontemplativ. Er ist dicht; obwohl im vermeintlich Ungefähren wurzelnd ungemein präzise, und das sich durch den Film ziehende Spiel um die Nuancen der Farbe Rot ist de facto ein hoch poetisches Bild-Gedicht. Selten ist ein Film so erdverbunden und zugleich derart vergeistigt, so fragil und gleichwohl bodenständig wie „Hanezu no tsuki“, selten auch kommt ein Drama so unendlich gelassen daher und ist gleichzeitig so zutiefst erschütternd.
(Irene Genhart)

     

Kritiken

National International
- Michael Sennhauser in sennhausersfilmblog.ch - Rob Nelson für variety.com
- Simon Eberhard für outnow.ch - Peter Bradshaw für guardian.co.uk
  - Maggie Lee für hollywoodreporter.com
   
Offizielle Website Verleiher
www.hanezu.com Trigon-Film

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