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Carancho

ARG 2010, 107 Min., OV/df, Regie: Pablo Trapero, mit Ricardo Darín, Martina Gusman, Carlos Weber

Carancho

Rezension von Walter Gasperi

Findige Geschäftsleute haben in Argentinien längst entdeckt, dass sie mit Unfallopfern ein gutes Geschäft machen können. Pablo Trapero entwickelt aus dieser Ausgangssituation einen beinharten und pechschwarzen Thriller.

8000 Menschen sterben in Argentinien jährlich bei Verkehrsunfällen, 100.000 in den letzten zehn Jahren, informiert ein Vorspanntitel. Findige Geschäftsleute haben längst eine Methode entwickelt, wie sie dabei ein Geschäft machen können. Die Leute, die die Unfallopfer ködern und die Aufträge an Land ziehen nennt man „carancho“, was soviel heisst wie „aasfressender Greifvogel“.

Liebe in hoffnungsloser Lage

Auch der ehemalige Rechtsanwalt Sosa (Ricardo Darin) arbeitet als Carancho. Im Auftrag einer so genannten Stiftung hält er bei Unfällen und in den Notaufnahmen der Krankenhäuser nach Opfern Ausschau, die seine Firma bei den anstehenden Schadenersatzforderungen zu vertreten verspricht. Den Grossteil der Zahlungen streicht dann aber die Stiftung ein, die Opfer werden mit einem kleinen Betrag abgespeist. Bei einem dieser teilweise auch inszenierten Unfälle trifft Sosa auf die Notärztin Lujan (Martina Gusman). Auch wenn ihr Handeln von völlig konträren Motiven bestimmt ist, so ist Sosa von der Ärztin doch sofort fasziniert, sucht den Kontakt und eine Liebesgeschichte entwickelt sich. Mit Lujan findet Sosa auch eine Motivation aus dem schmutzigen Geschäft auszusteigen, doch sein Boss will ihn nicht so einfach ziehen lassen

Nach lakonischen Anfängen mit „Mundo grua“ (1999) und „Familia Rodante“ (2004) legt der Argentinier Pablo Trapero nach dem hyperrealistischen Gefängnisdrama „Leonera“ (2008) einen weiteren schonungslos realistischen und beinharten Film vor. Unübersehbar orientiert sich Trapero dabei am Film noir, am US-amerikanischen Thriller der 70er Jahre oder auch an den düsteren Welten von Martin Scorseses „New York“-Filmen.

Abrechnung mit der argentinischen Gesellschaft

Hautnah folgt die Kamera Lujan und Sosa, deren Geschichten teils parallel erzählt werden, entwickelt damit großen Drive und zieht den Zuschauer unmittelbar ins Geschehen hinein. In der Nähe der Kamera und der damit verbundenen Einengung der Figuren vermittelt Trapero aber auch eindringlich ihr Gefangensein in der Situation, in der hektischen Kamera das Getriebensein, die innere Unruhe, die sie verbrennt. Wie der Krankenwagenfahrer in Martin Scorseses „Bringing out the Dead“ ist Lujan hoffnungslos überfordert mit ihrer Aufgabe und findet nur noch durch die Einnahme von Amphetaminen Beruhigung.

Atmosphärisch ungemein dicht und kraftvoll fängt Trapero diese düstere Welt in schmutzigen Bildern und verwaschenen Farben ein. Er zeigt ebenso die trostlosen Verhältnisse in den überfüllten Krankenhäusern wie die Gewalt auf den Straßen und die Korruption, die hier blüht. Dabei schreckt der argentinische Regisseur auch vor drastischen Gewaltszenen nicht zurück.

In dieser Schilderung des Umfelds wird dieser harte Thriller, der von den beiden starken Hauptdarstellern Ricardo Darin und Martina Gusman, der Gattin des Regisseurs, getragen und zusammengehalten wird, aber auch zu einer bitteren Abrechnung mit der argentinischen Gesellschaft, in der eine brutale Hackordnung herrscht: Jeder versucht hier ohne Rücksicht auf die Schwächeren für sich das Beste zu erreichen, viele bleiben dabei auf der Strecke. – Und durch „Carancho“ zieht sich folgerichtig eine Spur des Blutes.

   

Kritiken

National International
- Michael Sennhauser auf sennhausersfilmblog.ch - Adolfo C. Martinez für lanacion.com.ar
- Manu Höllinger für outnow.ch - Jeannette Catsoulis für movies.nytimes.com
- Eduard Ulrich für cineman.ch - V.A. Musetto für nypost.com
- Gregor Schenker für students.ch - Chris Cabin für filmcritic.com
- Benny Furth für meinkino.ch - Deborah Young für hollywoodreporter.com
   
Offizielle Website Verleiher
www.caranchofilm.com Xenix Film

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