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Birds of Passage - Pájaros de verano

CO 2018, OV/df, 125 Min., Regie: Ciro Guerra Cristina Gallego, mit José Acosta, Carmiña Martínez, Jhon Narváez

Birds of Passage - Pájaros de verano

Filmkritik von Dominic Schmid

Genrefilme befassen sich immer mit der Gesellschaft, in der sie entstehen und mit deren Vorstellung von Gemeinschaft. Das Gleiche gilt für mündlich und schriftlich überlieferte Mythen, mit denen Traditionen zementiert und als unumstösslich etabliert werden.

Schon der ethnografisch anmutende Einstieg in die Filmhandlung ist eine Wucht und zeugt von der präzisen Beobachtungsgabe der Filmschaffenden und von dem, was ihnen elementar wichtig ist: Die Menschen vor Ort. Ciro Guerra und Cristina Gallego, die bereits den berauschenden Spielfilm El abrazo de la serpiente in den Amazonas-Urwald hineingezaubert haben, wollen die Geschichte des beginnenden Drogenhandels aus der Perspektive der betroffenen Bevölkerung erzählen, wollen ihre Gesichter zeigen, ihre Traditionen, ihre Form des Erzählens auch.

Die Wayúu leben auf der Karibik-Halbinsel Guajira in Kolumbien und im benachbarten Venezuela. Sie sind die grösste indigene Bevölkerungsgruppe der Region und ihre Sprache Wayuunaiki wird von gut 300’000 Menschen gesprochen. Die Schilderung der Geschichte eines Familienclans, die Cristina Gallego und Ciro Guerra auf der Basis von realen Begebenheiten zu einem lateinamerikanischen Spiel mir das Lied vom Tod choreografiert haben, ist der oralen Erzähltradition der Wayúu verpflichtet und mit Bewusstsein für Genres wie für Ethnografisches fesselnd inszeniert.

Das Patriarchat, das Recht auf Kolonisierung von weniger weit entwickelten Gesellschaften, der Kapitalismus – alles (gut erzählte) Geschichten, an deren Wahrheitsgehalt so viele Menschen glauben oder geglaubt haben, dass sie irgendwann nicht mehr als Geschichten, sondern als Fakten galten. Birds of Passage von Ciro Guerra und seiner Partnerin Cristina Gallego ist ein Film, der diese Wesensgleichheit von Mythos und Genre nicht nur wörtlich nimmt, sondern auch dem Wort selbst grössere Macht zugesteht als den Pistolen- und Maschinengewehrkugeln, von denen in ihrem Film nicht wenige herumschwirren und allzuoft auch ihr Ziel finden.
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Kritiken

National International
- Christoph Schelb für outnow.ch - Maria Wiesner für kino-zeit.de
- Geri Krebs für nzz.ch - Jordan Mintzer für hollywoodreporter.com
- Gregor Schenker für tagesanzeiger.ch - Peter Debruge für variety.com
- Peter Osteried für cineman.ch - Jordan Hoffman für theguardian.com
   
Verleiher
Trigon-Film

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