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Apfel und Vulkan

CH 2017, OV/df, 81 Min., Regie: Nathalie Oestreicher, mit Nathalie Oestreicher, Fabienne Roth, Catherine Oestreicher

Apfel und Vulkan

Filmkritik von Johannes Binotto

Das alte Sofa, dessen Bezug längst verschlissen ist und immer mal wieder notdürftig geflickt wurde, soll endlich neu bezogen werden und wird dazu in der Werkstatt in seine Einzelteile zerlegt. Allein darüber könnte man lange nachdenken: was es bedeutet, dass man etwas zuerst ganz auseinandernehmen muss, um es zu neuem Leben zu erwecken.

Am scheinbar banalen Möbelstück zeigt sich so eine merkwürdige Verschränkung von Zerstörung und Kontinuität. Man reisst die Sachen auf, damit sie wieder heil werden. Und aus den Rissen heraus purzelt die Vergangenheit: Als die Seitenwand des Sofas abgenommen wird, tauchen lauter vergessene Sachen auf, die von den Kindern mal ins Futter gestossen worden sind: ein Spielzeugkrebs, ein Stift, ein Holzlöffel, darunter aber auch ein Faltheftchen mit Fussballspielen aus den Achtzigerjahren vom toten Bruder, dem das Sofa früher gehört hatte. Plötzlich fällt einem ein Ding in die Hand, das mal banal war und jetzt, beim Wiederfinden, voller Bedeutung.

Erinnerungsstücke nennt man solche Funde und um sie geht es in Nathalie Oestreichers Film, im übertragenen wie auch wörtlichen Sinn: um Gegenstände, die Erinnerungen auslösen, aber auch darum, dass die Erinnerung selber immer nur stückweise existiert und niemals ganz ist. Darüber, wie Erinnerungen in Objekten gespeichert werden, hat die Freundin der Regisseurin, die Künstlerin Fabienne Roth Duss einmal ihre Abschlussarbeit gemacht. Nun, bereits mit 39 todkrank, muss sie sich selbst überlegen, welche Dinge sie den beiden kleinen Töchtern zurücklassen möchte. Dinge, die zwar eine Erinnerung an die Mutter ermöglichen, aber die einen doch nicht unter dem Schmerz der Erinnerung erdrücken, sondern es vielmehr ermöglichen, dass man sie auch liegen lassen kann, dass man vergessen kann. Die Filmemacherin ihrerseits versucht die Bruchstücke ihrer eigenen Erinnerung an den schwierigen Vater und an den idealisierten Bruder zusammenzufügen und die Lücken zu begreifen, die das brutale Verschwinden zuerst des einen und später des anderen gerissen haben.
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Kritiken

National
- Geri Krebs für nzz.ch
- Hanspeter Stalder in der-andere-film.ch
- Regina Grüter für luzernerzeitung.ch
 
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apfelundvulkan.com Cineworx

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