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Vorschau auf die 62. Berlinale. Von Walter Gasperi

Vorschau auf die 62. Berlinale. Von Walter Gasperi

Vom 9. bis 19. Februar wird Berlin wieder zum Zentrum des Films. Gewohnt stark vertreten ist der deutsche Film, zahlreiche Stars werden erwartet, große Regisseure des aktuellen Weltkinos finden sich dagegen nur vereinzelt im Programm. Die Schweiz ist im Wettbewerb um den Goldenen Bären mit Ursula Meiers „L´enfant d´en haut“ vertreten.

Ein Blitzlichtgewitter wird öfters auf dem roten Teppich vor dem am Potsdamer Platz gelegenen Berlinale Palast niedergehen, denn zahlreiche Stars haben sich in der Stadt an der Spree angekündigt. Meryl Streep wird mit einem Ehrenbären geehrt und neben ihrem aktuellen Film „The Iron Lady“, werden auch ältere Werke aus ihrer über 30-jährigen Karriere gezeigt. Angelina Jolie erzählt in ihrem Regiedebüt „In the Land of Blood and Honey“ von einer verbotenen Liebe während des Bosnienkriegs. Teenie-Schwarm Robert Pattinson und Uma Thurman werden Declan Donnellans und Nick Ormerods Regiedebüt „Bel Ami“ und Christian Bale Zhang Yimous „The Flowers of War“ begleiten. Bollywood-Star Shah Rukh Khan wird zur Deutschland-Premiere des in Berlin gedrehten „Don – The King is Back“ ebenso erwartet wie Steven Soderbergh zur Vorführung seines außer Konkurrenz laufenden Agententhrillers „Haywire“. Stars sitzen aber auch in der von Mike Leigh geleiteten Internationalen Jury. So entscheiden neben Leigh, dessen Regie-Kollegen François Ozon, Anton Corbijn und Vorjahressieger Asghar Farhadi sowie dem algerischen Schriftsteller Boualem Sansal auch Jake Gyllenhaal, Charlotte Gainsbourg und Barbara Sukova über die Vergabe der begehrten Bären.

Neues von Petzold, Mendoza und den Tavianis
Starauflauf dürfte auch beim Eröffnungsfilm garantiert sein: Diane Kruger spielt in „Les Adieux à la Reine“, in dem Benoît Jacquot aus der Perspektive der Unterschicht von den ersten Tagen der Französischen Revolution erzählt, die französische Königin Marie Antoinette, auch weitere Rollen sind mit Virginie Ledoyen und Léa Seydoux prominent besetzt.

Zu hoffen bleibt freilich, dass es nicht nur Glamour gibt, sondern auch die Filme überzeugen. Im Wettbewerb haben nicht nur zahlenmäßig, sondern auch von den Erwartungen her die Deutschen die Nase vorn. Mit Christian Petzold („Barbara“) und Hans-Christian Schmid („Was bleibt“) sind sie immerhin mit zwei Berlinale-Stammgästen vertreten, dazu kommt noch Matthias Glasner, der nach dem heftig umstrittenen Vergewaltiger-Drama „Der freie Wille“ mit „Gnade“ zum zweiten Mal im Wettbewerb um den Goldenen Bären vertreten ist.

Für Kontroversen könnte auch der neue Film von Brillante Mendoza sorgen. Der Philippino, der 2009 in Cannes das Publikum mit „Kinatay“ schockte, zeigt in Berlin „Captive“, in dem er mit Isabelle Huppert in der Hauptrolle von der Entführung einer französischen Menschenrechtlerin durch eine muslimische Gruppe erzählt. Während Mendoza zu den großen Regisseuren des aktuellen Kinos zu zählen ist, liegen die Glanzzeiten der Brüder Taviani leider schon 30 Jahre zurück. Schön wäre es freilich, wenn sie im Alter von 80 Jahren mit „Cesare deve morire“ („Caesar must Die“) nochmals an Meisterwerke wie „Padre Padrone“ oder „La notte di San Lorenzo“ anknüpfen könnten.

Von Ursula Meier bis Jason Reitman
Von diesen Regisseuren abgesehen wartet der Wettbewerb aber kaum mit fixen Größen auf. Gespannt sein darf man aber auf jeden Fall, was die Schweizerin Ursula Meier mit „L´enfant d´en haut“ ihrem großartigen Debüt „Home“ folgen lässt, was Billy Bob Thornton mit seiner ersten Regiearbeit seit elf Jahren gelingt („Jayne Mansfield´s Car“) oder ob Benedek Fliegauf nach dem formal bestechenden, aber hohlen „Womb“ mit „Just the Wind“ auch ein inhaltlich aufregender Film gelungen ist.

Klassisches Arthouse-Kino dürfte den Wettbewerb dominieren, spektakuläre Großproduktionen laufen dagegen vorwiegend außer Konkurrenz. Der Bogen spannt sich hier von den schon genannten Filmen von Soderbergh und Yimou über Stephen Daldrys „Extremely Loud and Incredibly Close“ bis zu Tsui Harks 3D-Martial-Arts-Film „Flying Swords of Dragon Gate“. Dazu kommen im „Berlinale Special“ unter anderem Jasons Reitmans neue Komödie „Young Adult“, zu deren Vorführung Charlize Theron an die Spree kommen wird, und Kevin MacDonalds Dokumentarfilm über Bob Marley („Marley“).

Panorama, Forum und Retrospektive
Die Berlinale besteht aber längst nicht nur aus dem Wettbewerb. Mehr zu entdecken gibt es oft in den anderen Sektionen. So wird das „Panorama“ mit dem neuen Film des Roma Tony Gatlif eröffnet („Indignados“). Der Brasilianer Cao Hamburger präsentiert in diesem Rahmen „Xingu“ und das unabhängige US-Kino ist unter anderem mit Ira Sachs „Keep the Lights On“ vertreten.

Weniger bekannte Namen als in den letzten Jahren finden sich im „Forum des Internationalen Films“, in dem ästhetisch avancierte Filme gezeigt werden. Der Schweizer Manuel von Stürler porträtiert in „Hiver nomade“ zwei Schafhirten in der winterlichen französischen Schweiz und Thomas Heise blickt in seinen Dokumentarfilm „Die Lage“ auf deutschen Alltag, während sich drei japanische Filme mit dem Tsunami vom 11.3. 2011 und dem Gau des Atomkraftwerks Fukushima auseinander setzen. Sperriges ist vom Kanadier Denis Côté zu erwarten, der „Bestiaire“ präsentiert, von bitterer Not erzählt der Urugayer Rodrigo Plá in „The Wait“, gewohnt stark vertreten ist das US-Independent-Kino mit drei Filmen.

Nicht übersehen sollte man aber auch die Reihe „Perspektive Deutsches Kino“, in der man aufstrebende deutsche Regisseure entdecken kann, oder die Sparte „Generation“ und „Generation Kplus“, in der man Kinder- und Jugendfilme sehen kann, die es kaum einmal ins „normale“ Kino schaffen. Und die Retrospektive widmet sich schließlich unter dem Titel „Die rote Traumfabrik“ den Filmen, die zwischen 1922 und 1936 in dem russischen Meschrabpom-Filmstudio und seinem deutscher Zweig Prometheus entstanden. Der Bogen spannt sich dabei von Klassikern des sowjetischen Revolutionsfilms wie „Das Ende von Sankt Petersburg“ (1927) bis zum SciFi-Roboterfilm „Der Untergang der Sensation“ (1935).
(Walter Gasperi)

Weitere Informationen: www.berlinale.de