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Vorschau auf die 61. Berlinale. Von Walter Gasperi

Vorschau auf die 61. Berlinale. Von Walter Gasperi

Mit dem Coen-Remake des Westerns «True Grit» eröffnet die 61. Berlinale (10. – 20.2. 2011) zwar mit Stars vor und hinter der Kamera, doch im weiteren Programm muss man die großen Regisseure des aktuellen Kinos fast mit der Lupe suchen. – Man kann schon von einem für Festivalleiter Dieter Kosslick typischen Programm-Mix sprechen.

Die Ankündigung der ersten Wettbewerbsfilme der Berlinale im Dezember war viel versprechend: Mit dem neuen in den USA schon angelaufenen «True Grit»-Remake der Coen-Brüder als Eröffnung geht man auf Nummer sicher, auf Wim Wenders´ 3D-Dokumentarfilm über Pina Bausch («Pina») kann man aber ebenso gespannt entgegen sehen, wie auf den ersten Spielfilm des Dokumentarfilmers Andres Veiel. Nachdem sich Veiel schon in «Black Box BRD» aufregend mit Deutschland und dem RAF-Terrorismus auseinandergesetzt hat, blickt er in «Wer wenn nicht wir» auf die Zeit vor dieser Eskalation der Gewalt, erzählt von der Liebe zwischen Bernward Vesper und Gudrun Ensslin in den 1960er Jahren und endet mit dem Gang Ensslins in den Untergrund.

Neugierig darf man auch auf Miranda Julys («Me and You and Everyone We Know») zweiten Spielfilm «The Future» oder Ralph Fiennes Regiedebüt «Coriolanus» sein. Sehr zu hoffen ist, dass der eine oder andere Film positiv überrascht, im Idealfall sogar begeistert. Gespannt wartete man nach diesen ersten Nennungen auf die Bekanntgabe des kompletten Wettbewerbsprogramms, spekulierte auch schon, was denn da noch kommen würde.

Die Grossmeister gehen nach Cannes

Dass Terrence Malicks lang erwarteter «The Tree of Life» nach Cannes wandern wird, war klar, auch Cronenbergs «A Dangerous Method» war für Berlin wohl eine Nummer zu gross, auch Ulrich Seidl dürfte es mit «Paradies» an die Côte d'Azur ziehen. Hirokazu Koreedas «Kiseki» dürfte zwar ebenso wie Terence Davies «The Deep Blue Sea» - der erste Spielfilm des Briten seit zehn Jahren - noch in der Postproduktion stecken, doch auch Gus Van Sants «Restless», der schon im März in den deutschen Kinos anlaufen soll, sucht man vergeblich im Berlinale-Programm. Was Dieter Kosslick somit präsentiert, das sind bei sachlicher Betrachtung fast ausnahmslos Newcomer oder Regisseure aus der zweiten Reihe.

Ganz grossartige Filme sind hoffentlich darunter – doch kaum ein Name, der die Erwartungen in den Himmel wachsen lässt. Sperriges Autorenkino wird angesagt sein, wenn der Ungar Béla Tarr sein «The Turin Horse» präsentiert, Animationskunst aus Frankreich kommt mit Michel Ocelots («Kiriku») «Les contes de la nuit» an die Spree, auf spannendes sozialkritisches Kino darf man bei «The Forgiveness of Blood» des Amerikaners Joshua Marston («Maria voll der Gnade») hoffen. Berliner Schule ist mit Ulrich Köhlers «Schlafkrankheit» vertreten, und auf Schauspieler wie Moritz Bleibtreu, Georg Friedrich und Ursula Strauss setzt Wolfgang Murnberger, der in der Tragikomödie «Mein bester Feind» von einem Deutschen und einem Juden erzählt, aus deren Freundschaft während des Nationalsozialismus eine erbitterte Feindschaft wird.

Während das Line-up von Cannes und auch von Venedig mit früheren Preisträgern von großen Festivals glänzt, sich immer wieder mal wie ein «Who is who» der Stars der aktuellen Filmkunst – und auch des Blockbusterkinos – liest, fehlt dem Programm von Berlin heuer noch mehr als in den vergangenen Jahren der Glanz. – Es ist der inzwischen schon typische Kosslick-Mix aus Debütanten, zweiten oder dritten Spielfilmen und ganz wenigen großen Regisseuren, die aber zumeist den Zenit ihrer Karriere auch schon überschritten haben.

Internationales Forum des Jungen Films

Interessanter als der Wettbewerb sind so in Berlin oft die anderen Sektionen. So wartet das «Internationale Forum des Jungen Films» unter anderem mit dem nach dem meisterhaften «Shotgun Stories» zweiten Spielfilm des Amerikaners Jeff Nichols auf («Take Shelter»). Auch der Thailänder Aditya Assarat («Wonderful Town») präsentiert in dieser Sektion mit «Hi-So» seinen neuen Film. Der Schweizer Thomas Imbach ist in diesem Rahmen mit «Day is Done» vertreten, während aus Österreich «Folge mir» von Johannes Hammel eingeladen wurde. Wie in allen Sektionen ist auch im «Forum» das Gastgeberland Deutschland mit vier Produktionen gewohnt stark präsent. Dazu kommt das Projekt «Dreileben», bei dem Christian Petzold, Dominik Graf und Christoph Hochhäusler aus unterschiedlichen Perspektiven und in unterschiedlichen Stilen von der Flucht eines vermeintlichen Gewalttäters aus der Haft erzählen. Auf Entdeckungsreise kann man sich in dieser Programmschiene aber nicht nur bei brandneuen Filmen begeben: Mit acht Filmen aus den 1950er und 1960er Jahren wird der hierzulande (noch) unbekannte japanische Regisseur Shibuya Minoru vorgestellt.

Panorama, Berlinale Generation und Bergman Retrospektive

Rückt das «Forum» tendenziell eher den ästhetisch innovativen und damit oft auch sperrigen Film in den Mittelpunkt, so kann man im «Panorama» vielfach Filme entdecken, die bei Kleinverleihern auf Interesse stoßen und folglich den Weg in die Programmkinos finden. Während der Mazedonier Milcho Manchevski, um den es nach dem begeistert aufgenommen Debüt «Before the Rain» (1994) eher still wurde, in dieser Festivalsektion den Spielfilm «Mothers» präsentiert, ist der Brasilianer José Padilha mit «Tropa de Elite 2», der Fortsetzung seines Berlinale-Siegerfilms von 2009 vertreten und aus österreichischer Sicht richtet sich das Interesse vor allem auf Marie Kreutzers Debüt «Die Vaterlosen».

Nicht übersehen sollte man aber auch die auf Kinder- und Jugendfilme ausgerichtete «Berlinale Generation». So liefen in diesem Rahmen in den letzten Jahren so starke Filme wie der wunderbare Animationsfilm «Mary and Max» oder Bahman Ghobadis erschütternder «Schildkröten können fliegen». Und schließlich gibt es noch die «Perspektive Deutsches Kino», die eine wichtige Plattform für das jüngste deutsche Kino darstellt, und natürlich die Retrospektive, die heuer dem «Jahrhundertregisseur» Ingmar Bergman gewidmet ist.
(Walter Gasperi)