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Vorschau auf das 60. Filmfestival von San Sebastián (21.-29.9. 2012) von Geri Krebs

Vorschau auf das 60. Filmfestival von San Sebastián (21.-29.9. 2012) von Geri Krebs

Gegründet im Jahr 1953 auf Initiative der Gattin des Diktators Francisco Franco, die in dem Badeort für Gutbetuchte zusammen mit dem Gemahl jeweils die Sommerferien zu verbringen pflegte, feiert das Festival von San Sebastián dieses Jahr seinen 60. Geburtstag – von der Krise nicht unberührt, aber dennoch in erstaunlicher Frische.

Genügend Glamour, Hollywood-Stars und Rote Teppiche, dazu ein hochkarätiges Programm internationaler Arthouse-Filme sowohl bekannter Namen wie auch Neuentdeckungen: Die Formel des Festivals, das mit Locarno wetteifert, „das Kleinste unter den Grössten“ zu sein, und das sich ebenfalls als Publikumsfestival versteht, hat sich auch im zweiten Jahr unter der neuen Leitung von Festivaldirektor José Luis Rebordinos nicht verändert.

San Sebastián-ZFF-Zusammenarbeit

Als Besonderheit zum runden Geburtstag vergibt man indes gleich fünf - anstelle der sonstigen drei „Premios-Donostia“ (Donostia ist der baskische Name für San Sebastián): Dustin Hoffman, Tommy Lee Jones, Ewan McGregor, John Travolta und Oliver Stone erhalten diesen Preis für ihr Lebenswerk. Von diesen fünf älteren amerikanischen Herren kommt ersterer immerhin mit einem neuen Film im Gepäck, seinem Regiedebüt, „Quartet“, während die letzteren beiden auch am Zurich Film Festival geehrt werden, das in diesem Jahr exakt zur gleichen Zeit stattfindet wie das Filmfestival San Sebastián. Die Zusammenarbeit mit Kostenteilung beim Stareinfliegen, die sich in den letzten Jahren zwischen den beiden Festivals verstärkt hat, zeigt sich noch bei weiteren Hollywoodstars, die an beiden Festivals zu sehen sein werden. So etwa bei Richard Gere und Susan Sarandon, die in Richard Jareckis Film „Arbitrage“ als Hauptdarsteller zu sehen sind.
Dieser Thriller aus der Finanzwelt eröffnet in San Sebastián die „Sección oficial“ und das im Film abgehandelte Thema der internationalen Finanzkrise hat in den vergangenen Tagen noch Aktualität gewonnen. Dies dadurch, dass die Festivalleitung am 14.9. in einem Communiqué bekannt gab, dass sie den am 26.9. anberaumten Generalstreik unterstütze („Aus Solidarität mit denen, die ihre Arbeit verloren haben oder die sich sonst in einer extrem schwierigen Situation befinden“) und daher an jenem Tag das ganze Festivalprogramm suspendiere – mit Ausnahme der Wettbewerbsfilme in den beiden Sälen im Festivalzentrum „Kursaal“.

Bekannte Namen im Hauptwettbewerb

Der Hauptwettbewerb umfasst traditionellerweise bekannte Namen, hier finden sich etwa die neuen Filme von Laurent Cantet („Foxfire“, ein Film über eine Frauengang in einer Kleinstadt in den USA des Jahres 1953), Costa Gavras („Le capital“, noch ein Thriller aus der Finanzwelt), Lasse Halström („The Hypnotist“, ein Kriminalfilm nach einem Bestseller von Lars Kepler) oder Fernando Trueba („El artista y su modelo“, ein im besetzten Frankreich spielendes Drama mit Claudia Cardinale in der Hauptrolle). Neben Fernando Trueba sind im Hauptwettbewerb mit Pablo Berger („Blancanieve“) und Javier Rebollo („El muerto y ser feliz“) gleich noch zwei weitere bekannte spanische Regisseure vertreten, derweil in der italienischen Produktion „Venuto al mondo“ von Sergio Castellito mit Penelope Cruz eine spanische Schauspielerin mit Superstarstatus in der Hauptrolle zu sehen ist.

Newcomer und Brückenfunktion zu Lateinamerika

Der Parallelwettbewerb der „Nuevos Directores“ umfasst 17 Filme aus insgesamt 14 Ländern, darunter sind neben drei Beiträgen aus Spanien auch Filme aus eher unbekannten Ländern wie etwa Paraguay oder Libanon vertreten. Die Schweiz ist einzig durch die deutsch-schweizerische Koproduktion „Draussen im Sommer“, dem Zweitling der jungen deutschen Regisseurin Friederike Jehn präsent, einem Adoleszenzdrama um eine junge Frau, die durch die Übersiedelung ihrer Familie in die Schweiz ihre traumatisch belastete Beziehung zu den Eltern zu regeln hofft.
Mit dem Wettbewerb der „Horizontes Latinos“, in welchem zwölf lateinamerikanische Filme, die zum Teil schon an anderen Festivals gelaufen sind – allen voran der in Cannes hochgelobte „Post Tenebras Lux“ des Mexikaners Carlos Reygadas – erweist sich San Sebastian erneut als Festival, das eine Brückenfunktion zu Lateinamerika hat.
Verstärkt wird diese Brückenfunktion noch durch ein neu ins Leben gerufenes „Koproduktionsforum Europa-Lateinamerika“, das an den zwei letzten Festivaltagen stattfindet und 17 ausgewählte Projekte umfasst, unter denen sich so bekannte Namen finden wie der des Uruguayer Daniel Hendler oder der Argentinierinnen Ana Katz und Anahi Berneri.
(Geri Krebs)

www.sansebastianfestival.com