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Vorschau auf das 30. Filmfestival Fribourg. Von Geri Krebs

Vorschau auf das 30. Filmfestival Fribourg. Von Geri Krebs

Grösser, länger, schmaler - und Frauen im Focus

Was vor drei Jahren am Filmfestival von Cannes für eine heftige Kontroverse gesorgt hatte, nämlich die Absenz von Filmen, die von Frauen realisiert wurden, hat nun seine Auswirkungen auf das Programm des diesjährigen Festivals von Fribourg. Das FIFF steht in diesem Jahr weit gehend im Zeichen von Regisseurinnen.

Das Festival International de Films de Fribourg (FIFF) feiert dieses Jahr seine 30. Ausgabe - nicht sein 30 jähriges Bestehen, denn gegründet wurde es bereits im Jahr 1980, ging aber von da an bis 1992 nur in zweijährigem Rhythmus über die Bühne. Für den künstlerischen Leiter des Festivals, Thierry Jobin, ist diese Ausgabe bereits seine fünfte und so hat er sich für dieses zweifache Jubiläum etwas Besonderes ausgedacht und auch einige kleinere Neuerungen eingeführt. So beginnt das Festival erstmals bereits am Freitagabend und nicht erst am Samstag. Eröffnet wird das Festival am Freitagabend, 11. März, im Théâtre Equilibre mit Charlie Chaplins Stummfilmklassiker "The Kid" , begleitet vom Fribourger Kammerorchester, davor wird, zur Einstimmmung auf den Frauenschwerpunkt, ein achtminütiges Kurzfilmprogramm von Alice Guy gezeigt, der weit gehend vergessenen ersten Regisseurin und Produzentin der Filmgeschichte.

Mit der Tochter des Regisseurs von "The Kid", Geraldine Chaplin, wird dann in den folgenden Tagen im Rahmen der Parallelsektionen eine Persönlichkeit des Weltkinos geehrt, die letztes Jahr am FIFF persönlich anwesend war und die in diesem Jahr mit einer Carte Blanche sieben ihrer Lieblingsfilme ausgewählt hat. Darunter finden sich Klassiker wie Robert Altmanns "Nashville" oder Raritäten wie Luis Buñuels "Robinson Crusoe". Die Carte Blanche für Geraldine Chaplin ist eine von insgesamt sechs Parallelsektionen. Diese umfassen unter anderem eine Reihe mit Genrekino unter dem Titel "Wilder als der Mann", zeigt eine über 20 Titel umfassende Reihe mit Filmen von Regisseurinnen aus Afrika - oder sie erklärt in einer weiteren Sektion ganz einfach: "Und die Frau schuf das Kino".

Im Zentrum des mit 127 Filmtiteln noch umfangreicheren Gesamtprogramms als früher steht aber auch in diesem Jahr wieder der internationale Wettbewerb. 13 Filme sind hier vertreten, einer davon sogar als Weltpremiere: Die Tragikomödie "Hair" des jungen Iraners Mahmoud Gaffarari. Er war bereits 2013 mit "It's a Dream", seinem vorherigen Film, in Fribourg vertreten war, konnte "Hair" unter anderem dank der Hilfe des FIFF und seines "Talent Tape Award" realisieren. Mit gleich drei Filmen ist Mexiko im Wettbewerb so stark vertreten wie kein anderes Land. Dabei steht mit Rodrigo Plás Drama "Un monstruo con mil cabezas" der Film eines Regisseurs auf dem Programm, der 2008 mit seinem vorletzten Film "La zona" auch in den Schweizer Kinos einen Achtungserfolg erzielt hatte. An einem weiteren mexikanischen Film, "Yo" des Regisseurs Matias Meyer, in dem es um einen geistig retardierten Jungen Mann geht, ist auch die Schweiz als Co-Produzenzin beteiligt - und der Film hat in der Schweiz auch bereits einen Kinoverleih.

Hält sich beim Wettbewerb der Langfilme der Frauenanteil mit vier Filmen von Regisseurinnen im Rahmen früherer Jahre, so ist die internationale Jury bei den Langfilmen fast, und bei den Kurzfilmen ganz in Frauenhand. Bei der Jury für die Langfilme sind unter anderem gleich zwei Schweizer Produzentinnen vertreten, Maya Zimmermann und Aline Schmid. Die in den USA lebende Maya Zimmermann bringt für die Sektion "Films du jury" den von ihr produzierten chilenischen Film "Aqui no ha pasado nada" des Regisseurs Alejandro Fernandez Almendras mit, der am FIFF 2014 mit seinem Rachedrama "Matar a un hombre" den "Don Quijote Award" gewonnen hatte, während Aline Schmid in dieser Sektion den von ihr ko-produzierten Dokumentarfilm "Sonita" der iranischen Regisseurin Rokhsareh Ghaem Maghami präsentiert. Der Film, der die unglaubliche Geschichte um die erste afghanische Rapperin erzählt, wird bald nach dem FIFF auch in die Schweizer Kinos kommen.

Ähnlich wie beim Zurich Film Festival liegt neu jetzt auch beim FIFF der Festivalkatalog bereits seit dem Tag der Programmpressekonferenz schon fast drei Wochen vor Festivalbeginn schweizweit und gratis auf und ist selbstverständlich auch im Netz abrufbar (fiff.ch). Das 250 Seiten starke Büchlein im Pocket-Format ist ein Gewinn für jene, die gerne schon Wochen vor dem Festival Genaueres über die dort gezeigten Filme wissen wollen. Aber es ist auch ein Verlust für jene Festivalbesucherinnen und -besucher, die während des Festivals etwas ausführlichere Informationen über Regisseurinnen, Regisseure und ihre Filme zu schätzen wussten - denn verglichen mit den grossformatigen Katalogen früherer Jahre sind die Filmtexte um einiges kürzer und die Einführungstexte zu den einzelnen Reihen sind etwas gar kurz geraten.
(Geri Krebs)