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Fantoche ist los! – Eine Vorschau von Doris Senn

Fantoche ist los! – Eine Vorschau von Doris Senn

Die 8. Ausgabe des Animationsfilmfestivals in Baden zeigt vom 7. bis 12. September ein sehenswertes Spektrum an Filmen. Über kurz oder lang: Ein Besuch lohnt sich!

Zum achten Mal findet das beachtlich gewachsene Festival rund um den Trickfilm statt – ab 2010 nun sogar alljährlich! Gibt es denn dafür überhaupt genug Neuerscheinungen in einem Genre, in dem vor allem Kurzfilme entstehen? Ein Blick ins diesjährige Programm zerstreut jeden Zweifel!

Wes Andersons „Mr. Fox“ und eine warmherzige Agentensatire

Allein bei den langen Filmen gibt es mehrere Musts! So etwa „Fantastic Mr. Fox“ von Wes Anderson aus dem Land, wo Fuchs und Dachs sich gute Nacht sagen. Die Geschichte basiert auf dem gleichnamigen Kinderbuch des norwegisch-walisischen Autors Roald Dahl („Charlie and the Chocolate Factory“) und dreht sich um eine Fuchsfamilie, die ihren Lebensraum gegen drei selbstherrliche Farmbesitzer verteidigt. Dabei dürfte das rasante Epos Kindern durchaus gefallen, doch ist es in erster Linie ein tolles, mit schwarzem Humor und geschliffenen Dialogen durchsetztes Filmvergnügen für Erwachsene. Übrigens werden Mr. und Mrs. Fox von keinen Geringeren als George Clooney und Meryl Streep gesprochen, während Willem Dafoe seine Stimme der coolen Kung-Fu-Ratte gab!

Als erste 3-D-Produktion im Rahmen von Fantoche kommt die Vorpremiere von „Despicable Me“ zum Zug, der demnächst in den Kinos anläuft und die Geschichte um den „Bad Boy“ Gru erzählt, der mit einem Heer an etwas doofen, aber sonst gutmütigen pillenförmigen „Minions“ den Mond vom Nachthimmel holen will. Sein Gegenspieler ist Vector – ein cleveres Bürschchen, das sich in seiner Supervilla verschanzt hat. Samt Schrumpfstrahler, den Gru dringend für seinen Coup braucht und nur mithilfe der drei Waisenmädchen Margo, Edith und Agnes entwenden kann. Produziert wurde die warmherzige Agentensatire von Chris Meledandri, der auch „Ice Age“ produzierte. Das Drehbuch kommt aus Spanien (Sergio Pablos), die Regie aus Frankreich: Pierre Coffin, der mit „The Lion Sleeps Tonight“ einen der beliebtesten Musikclips auf dem Internet realisierte, und Chris Renaud, der im Art Department von „Ice Age“ mitarbeitete. Der Augenschmaus von „Despicable Me“ ist dank 3-D süperb – und auch hier gilt: Kinder werden ihren Spass haben, aber auch die Erwachsenen kommen auf ihre Kosten dank der mit vielen feinen und beissend-bösen Anspielungen durchsetzten Story!

Liebende Telefonstange, unverfilmtes Drehbuch von Jacques Tati

Für „Elemi“ arbeitete der Japaner Hideto Nakata nicht weniger als acht Jahre lang. Das kleine Epos erzählt von der unmöglichen Liebe Elemis – eine Telefonstange! – zu ihrem Mechaniker Takahasi. Über die aufwendige Plastilinanimation, die mit unglaublich liebevoller Detailtreue japanisches Alltagsleben und den Mikrokosmos von Strommasten und Verteilerkästen porträtiert, gibt es im Rahmen von Fantoche auch ein „Making-of“ zu sehen. Von Dominique Monféry stammt „Kérity, la maison des contes“ (mit den Stimmen von Jeanne Moreau, Pierre Richard und Denis Podalydès): eine hübsche, spannungsgeladene Fabel über den leseschwachen Jungen Nathanaël, der von seiner Grossmutter eine Märchenbibliothek geschenkt bekommt. Ausgerechnet! Erst als diese beim geldgierigen Antiquitätenhändler landet, begreift Nat den Wert der Sammlung und holt sie mithilfe der den Büchern entschlüpften MärchenheldInnen wieder an ihren angestammten Platz zurück.

Neugierig machen auch „L'illusioniste“ – nach einem unverfilmten Drehbuch von Jacques Tati –, „Piercing I“, der über das soziale Leben im China von heute berichten soll, sowie der aus Schweden stammende „Metropia“ über Roger, der auf seinem täglichen Arbeitsweg in der U-Bahn in einen beängstigenden Krimi hineinschlittert.

Vielversprechendes Kurzfilmprogramm, Workshop und „Talks“

Nicht nur die Langfilm-Auswahl dürfte „Augensausen“ erzeugen, wie das Fantoche-Team unter der Leitung von Duscha Kistler verspricht. Auch die sechs Kurzfilm-Wettbewerbsblöcke zeigen sich als Füllhorn der Entdeckungen: Nicht weniger als 37 Kurzfilme aus 24 Ländern bewerben sich im „Internationalen Wettbewerb“ um eine ganze Reihe von Preisen (vom besten Film über den besten Sound bis hin zum vielversprechendsten Nachwuchstalent). Und gleich zwei Preise gibt es für das einheimische Filmschaffen, das mit nicht weniger als 23 neuen Produktionen im „Schweizer Wettbewerb“ vertreten ist!

Und auch das ist noch nicht alles: Vom Workshop über „Meet the Artists“ bis hin zu „Talks“ rund um die Schnittstelle zwischen Animationsfilm und Game Culture gibt es noch einiges mehr am Fantoche zu entdecken.
Das ganze Programm findet man unter www.fantoche.ch
Karten können im Vorverkauf bei Starticket gekauft werden.
(Doris Senn)