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Die etwas längere Kürze – Vorschau auf die 14. Internationalen Kurzfilmtage Winterthur

Die etwas längere Kürze – Vorschau auf die 14. Internationalen Kurzfilmtage Winterthur

Vom 10.-14. November finden die 14. Internationalen Kurzfilmtage Winterthur statt. Das „wichtigste Kurzfilmfestival der Schweiz“ richtet sein Augenmerk dieses Jahr auf den Kurzfilm an der Schnittstelle von Kunst und Kino.

Augenfällig, haben die Organisatoren der Internationalen Kurzfilmtage Winterthur an der diesjährigen Pressekonferenz konstatiert, sei „eine längerfristige Entwicklung zu längeren Filmen.“ Der Gründe dafür, meinten sie, seien wohl viele: Einfachere und kostengünstigere Produktionsbedingungen, die strategische Neuausrichtung von Filmschulen, zunehmend grössere Bandbreite von Videoportalen. Auf alle Fälle sind von den rund 38 im Internationalen Wettbewerb gezeigten Filme „viele ziemlich lang“ Konkret bedeutet das zwischen 20 und 30 Minuten, was etwa der Länge einer Episode einer TV-Serie entspricht und sich im Vergleich zu Drei- und Vier-Minütern schon fast ewig ausnimmt, und mich die Stirn runzeln lässt: Wenn diese Entwicklung zur längeren Kürze anhält, muss Winterthur demnächst über die Bücher und neu überlegen, wie lange ein „Kurzfilm“ sein soll.

Internationaler und nationaler Wettbewerb

Sei dem, wie es ist: Sechs Blöcke, 38 Filme aus 20 Ländern, 500 Minuten lautet das Signalement des Internationalen Wettbewerbs in Zahlen, versprochen wird ein „spannender Querschnitt durchs internationale Kurzfilmschaffen.“ Parallel zum internationalen, führt Winterthur auch dieses Jahr einen nationalen Wettbewerb durch: 21 Filme kämpfen in drei „CHurzfilm“-Blöcken um den mit 8000 CHF dotierten Preis als bester Schweizer Kurzfilm. Sie sind zugleich nominiert für die Preise des Internationalen Wettbewerbs: den mit 12000 CHF dotierten Hauptpreis, den 10000 CHF starken Förderpreis, den ebenfalls 8000-fränkigen Publikumspreis: Stattlich präsentiert sich, an den Preise gemessen, Winterthur, und vermag sich, wiewohl noch immer vom „nicht gewinnorientiert arbeitenden“ Verein „Kurzfilmtage Winterthur“ organisiert und viel auf ehrenamtliche oder zu bescheiden entlöhnte Arbeit setzend erstaunlich gut zu halten.

„Kurzfilm zwischen Kunst und Kino“

Fast spannender und wichtiger als die Wettbewerbe - und darin unterscheidet sich Winterthur massgeblich von seinen Brüdern, die lange Filme zeigen, und deren Gewinner irgendwann doch im „normalen“ Kinoprogramm landen - ist das Schwerpunkt Programm „Fokus“. Hier tastet man in Winterthur alle Jahre neu nach dem Geist der Zeit und beleuchtet aktuelle Tendenzen. „Der Kurzfilm zwischen Kunst und Kino“ lautet der Titel des diesjährigen Fokus-Programms. Gezeigt werden in den drei mit „Moving Arts“ überschriebenen Blöcken Filme, die sich an der Schnittstelle von Kino und Kunst bewegen, wobei „Grauzonen beleuchtet“ werden sollten, die „besonders virulente oder interessante Strömungen aufzeigen“. Das klingt gut. Auch ist es sicher spannend, im Programm „Towards an Artist‘s Cinema“ die Videoarbeiten und Kurzfilme von Künstlern zu entdecken, die - wie Peter Greenaway („H Is for House“), Renata Pinheiro („Superbarocco“), Sam Taylor-Wood („Love You More“) - inzwischen „den Sprung auf die grosse Leinwand wagten“; oder aber in „O Cinema, Where Art Thou?“ Kunstfilme zu sehen, die mit den Stilmitteln des grossen Kinos spielen. Doch wirklich Neuland betreten die Winterthurer mit ihrem diesjährigen Fokus-Programm nicht. Da hatten andere Festivals, etwa die Berlinale mit ihrem „Forum Expanded“, oder aber, als es sie noch gab, die „VIPER“ die Nase seit/bzw. vor einigen Jahren schon im Wind.

Schwere Kost und Trashig-Leichtes

Wie nahe man in Winterthur 2010 an den Kunstfilm, bzw. die Videokunst tatsächlich rückt, zeigt sich in den Programmen „100 Jahre Kunsthaus Zürich“, „Ran Slavin“ und „Filmende Fotografen“. Der erste Block zeigt „Zeitgenössisches“ aus der seit 1979 bestehenden Kunstvideosammlung des Kunsthauses Zürich, Ran Slavins „The Insomniac City Cycles“ ist ein aus einem Kurzfilmprojekt hervorgegangener Experimentalthriller, die „Filmenden Fotografen“ sprechen für sich. Ungewohnt „schwere Kost“ ist das für Winterthur, dürfte tendenziell ein etwas anderes Publikum ansprechen, als man da die letzten Jahre traf. Doch man findet sie in Winterthur dieses Jahr auch, die verspielte Leichtigkeit und das Trashige, welche dem wichtigsten Kurzfilmfestival der Schweiz den Ruf eintrug, eines der kurzweiligsten der Welt zu sein. Sowohl in den Programmen „Das Tier und wir“ wie auch in den von einer Zombie-Party begleiteten Samstag-Nocturnes „Zombie Attack!“ und „Trash Night“ dürften Liebhaber des Allzumenschlich-Absurden voll auf ihre Rechnung kommen!
(Irene Genhart)

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