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Cannes 2013 – Die Vorschau von Doris Senn

Cannes 2013 – Die Vorschau von Doris Senn

Das 66. Filmfestival Cannes eröffnet am Mittwoch mit einem 3-D-Remake von «The Great Gatsby» von Baz Luhrmann. Um die Goldene Palme wetteifern dieses Jahr u. a. Jim Jarmusch, die Coen Brothers, Steven Soderbergh, Roman Polanski und Valeria Bruni Tedeschi.

3 D zum Anfang …
Mit einer 3-D-Glitzer-und-Glimmer-Version des amerikanischen Jahrhundertromans «The Great Gatsby» eröffnet das 66. Filmfestival von Cannes. Baz Luhrmann («Moulin Rouge») wagt ein rund 125 Millionen schweres Remake mit Leonardo DiCaprio, Tobey Maguire und Carey Mulligan (die auch die Hauptrolle im Coens-Film spielt). Der Film lief erfolgreich am Wochenende in den USA an, fing aber auch Kritik ein: Zu viel Ausstattung – zu wenig Handlung (für Costume und Production Design zeichnet die vielfach Oscar-nominierte Ehefrau Luhrmanns, Catherine Martin) wurde moniert.

Offizieller Wettbewerb – illustre Namen
Steven Soderbergh, der mit seinem Erstling «Sex, Lies and Videotapes» als jüngster Filmemacher in Cannes 1989 die Goldene Palme holte, kommt mit seinem 27. und letzten Kinofilm nach Cannes: Der Querelen mit dem Boxoffice-fixierten Hollywood müde, will Soderbergh in Zukunft nur noch fürs TV arbeiten. Sein «Behind the Candelabra» (eine HBO-TV-Produktion – Hollywood hatte abgelehnt) handelt von Liberace (Michael Douglas) – einem Wunderkind und virtuosen Pianisten, der mit seinen schrillen Las-Vegas-Shows Furore machte. Soderbergh erzählt die turbulente Liebesaffäre zwischen Liberace (der unter Eid bezeugte, nicht homosexuell zu sein) und dem 30 Jahre jüngeren Scott Therson (Matt Damon). Für Damon und Soderbergh ist es die siebte Zusammenarbeit («The Bourne Identity» sowie «Ocean's Eleven» usw.). Ethan und Joel Coen zeichnen mit «Inside Llewyn Davis» die Geschichte eines passionierten Folk-Sängers in den 1960ern nach, der über die Bühnen New Yorks mäandert und allen Widrigkeiten trotzt. Und der fleissige François Ozon («Potiche», «Dans la maison») präsentiert «Jeune et jolie» – ein Coming-of-Age-Porträt einer 17-jährigen Frau über vier Sommer und vier Songs. Als Hauptdarstellerin fungiert das Starmodel Marine Vacth (Nachfolgerin von Kate Moss bei Yves Saint Laurent und Parisienne).

Gruppenbild mit Dame
Der 79-jährige Altmeister Roman Polanski gehört zu den wenigen Ausnahmen im dieses Jahr deutlich verjüngten Wettbewerb. Er präsentiert «Venus in Fur» und erzählt – sehr Polanski-like – von Thomas, einem älteren Theaterdramaturgen (Mathieu Amalric), und dessen obsessiven Beziehung zu einer bestrickenden Schauspielerin (Emmanuelle Seigner). Der iranische Regisseur Ashgar Farhadi, der vor zwei Jahren mit «A Separation» brillierte, präsentiert wieder ein intimes Drama: «Le passé». Ahmad kehrt darin nach Paris zurück, um sich von Marie scheiden zu lassen. Während er die Konflikte zwischen Marie und ihrer Tochter zu schlichten sucht, stösst er auf ein Geheimnis aus der Vergangenheit … Kultregisseur Jim Jarmusch («Dead Man», «Coffee and Cigarettes») reist mit einem Vampirmovie mit Staraufgebot an (Tilda Swinton, Mia Wasikowska, John Hurt) – während Takashi Miike im dritten Jahr in Folge zu Gast ist an der Côte-d'Azur: mit einem Thriller und Killermovie unter dem Titel «Shield of Straw». Die Dame im (Wettbewerbs-)Gruppenbild ist die Regisseurin und Schauspielerin Valeria Bruni Tedeschi (und Schwester von Ex-Präsidentenfrau Carla Bruni), die mit «Un château en Italie» – einem Familienepos über eine wohlhabende italienische Industriellenfamilie – um die Palme buhlt.

Vielversprechendes in «Un Certain Regard»
In der offiziellen Cannes-Nebensektion Un Certain Regard gibt es neben absoluten Neulingen wie Flora Lau mit ihrem Taxi-Drama «Bends» an der Grenze zwischen Hongkong und Shenzhen oder Katrin Gebbe mit ihrem Punk-Sekten-Drama «Tore tanzt» auch Cannes-Wiederkehrer wie der Schauspieler James Franco, der erstmals als Regisseur an die Croisette kommt, und zwar mit der Faulkner-Verfilmung «As I Lay Dying» (in der er auch die Hauptrolle spielt). Die argentinische Schriftstellerin und Filmemacherin Lucía Puenzo, die nach ihrer Auszeichnung 2007 für ihren Erstling «XXY» in der Semaine de la Critique ihren Zweitling «Niño pez» in Berlin präsentierte, kehrt mit «Wakolda» – einem Drama um eine harmonische Familie mit explosivem Gast – nach Cannes zurück. Eröffnungsfilm ist «The Bling Ring» von Sofia Coppola über eine (tatsächlich existierende) Einbruchsgang in Hollywood, die ihr Augenmerk auf die Villen der Stars richtete.

… und 3 D zum Schluss
Die Quinzaine des Réalisateurs (der Auswahl der französischen Filmemacher) wird von Ari Folman («Waltz With Bashir») und «The Congress» eröffnet – einem Live-Action-Animationsfilm-Hybrid, inspiriert vom «Futurologischen Kongress» von Sci-Fi-Autor Stanislaw Lem. Während die Bilder verspielt und Fantasy-like anmuten, geht es darin um Ernsteres: Hollywood klont seine Stars, verbietet ihnen aber je wieder als Schauspieler aufzutreten. Im Line-up der Quinzaine finden sich nebst vielen neuen auch ein legendärer Name Marcel Ophuls – Sohn von Max Ophüls und Regisseur von «Hôtel Terminus» – der als Weltpremiere seine filmischen Memoiren unter dem Titel «Un voyageur» präsentiert. In der Auswahl der Filmkritik (Semaine de la critique) lässt insbesondere der Schlussfilm «3x 3D» aufmerken, in dem drei Altmeister – Peter Greenaway, Jean-Luc Godard und der Portugiese Edgar Perâ – die Möglichkeiten von 3 D ausloten.

Die offizielle Jury wird präsidiert von Steven Spielberg («Lincoln») und besteht aus den Filmemacher/innen Cristian Mungiu («Beyond the Hills»), Ang Lee, Naomi Kawase und Lynne Ramsay sowie den Darsteller/innen Daniel Auteuil, Vidya Balan, Nicole Kidman und Christoph Waltz.

Das 66. Filmfestival von Cannes dauert vom 15. bis 26. Mai 2013.